HSS – und alles wird gut…

Blitzen alle Teile
Teil 1: Canon Blitzbelichtungsmessung
Teil 2: HSS – und alles wird gut…
Teil 3: Lichtformer für Aufsteckblitze
Teil 4: Entfesselt blitzen

Zugegeben, den Titel habe ich etwas provokativ gewählt… Um was geht es eigentlich? Es geht mal wieder um das Blitzen.

In meinem Beitrag zur Canon Blitz-Belichtungsmessung hatte ich schon den Begriff HSS in den Raum geworfen. HSS steht für High-Speed-Synchronisation.

Die Synchronisationszeit

Um HSS zu verstehen, müssen wir zuerst den Begriff Synchronisationszeit verstehen. Der Verschluss einer Kamera besteht aus zwei Teilen (Vorhängen) die von links/rechts oder oben/unten öffnen bzw. schließen und so einen kurzen Moment Licht auf den Sensor lassen. Den Zentralverschluss, wie er bei Mittelformat oder Großformatkameras vorkommt, lasse ich mal außen vor.

Fotografiert man ohne Blitz spielte es keine Rolle, ob der Verschluss über die Belichtungszeit komplett geöffnet ist. Bei sehr kurzen Verschlusszeiten wie z.B. 1/1000 sec. wird dies technisch auch überhaupt nicht möglich sein. Aber das stört nicht. Abhängig von der Belichtungszeit ist einfach der Schlitz zwischen den beiden Verschlussvorhängen größer oder kleiner, während er sich vor dem Sensor bewegt, und ermöglicht so die kurzen Belichtungszeiten.

Bei kurzen Belichtungszeiten bewegt sich der Verschluss nur als schmaler Schlitz vor dem Sensor
Bei kurzen Belichtungszeiten bewegt sich der Verschluss nur als schmaler Schlitz vor dem Sensor

Beim Blitzen ist es nun jedoch so, dass hier der Verschluss komplett geöffnet sein muss. Daher sind die kürzesten Verschlusszeiten bei der Verwendung eines Blitzgerätes begrenzt. In der Regel 1/200 bis 1/250 sec. Das ist die sogenannte Blitzsynchronisationszeit die auch in den techn. Daten des Kamera-Handbuchs zu finden ist.

Belichtungszeit außerhalb der Blitzsynchronisationszeit
Belichtungszeit außerhalb der Blitzsynchronisationszeit

Nun hat man aber vielleicht am Tag die Situation, dass man ein Motiv mit Offenblende fotografieren und einen Aufhellblitz einsetzen möchte. Bei einer offenen Blende hätten wir vielleicht eine Belichtungszeit von 1/500 sec. – also kürzer als die kürzeste Blitzsynchronisationszeit.

Um diese Situation zu lösen, wurde HSS entwickelt (FP bei Nikon). Im HSS Modus sendet der Blitz nicht einen einzelnen Blitz, sondern viele kurze Blitze – wie ein Stroboskop. Das meiste Blitzlicht wird dann zwar ungenutzt auf die Verschlussvorhänge treffen, jedoch ist so jede kürzere Belichtungszeit möglich.

HSS geht (meines Wissens) jedoch nur mit einem Aufsteckblitz bzw. mit manchen Studioblitzgeräten. Mir ist (Stand heute) keine Kamera bekannt, die einen integrierten Blitz hat, der HSS-fähig ist. Falls ich hier falsch liege, bitte ich um Info.

Supersync

Nur der Vollständigkeit halber möchte ich noch Supersync erwähnen. Ich denke dieses Thema ist jedoch nur für Profis oder zumindest semiprofessionelle Fotografen interessant. Mit Hilfe bestimmter Kombinationen von Funkauslösern und langsam abrennenden (Studio-) Blitzen ist es möglich, den Blitz so zu synchronisieren, dass ebenfalls sehr kurze Verschlusszeiten möglich sind. Dabei wird der Zündzeitpunkt des Blitzgerätes verschoben, so dass bei langsam abbrennenden Blitzen der Blitz über die gesamte Dauer der Belichtung leuchtet. Das Problem ist, dass dies eigentlich keine entwickelte Technologie ist sondern mehr durch Zufall entdeckt wurde. Daher lassen sich kaum Aussagen treffen, mit welcher Kombination (Kamera, Funkfernauslöser, Blitz) die Lösung funktioniert. Erfolgreich angewendet wurde (wird) die Technik z.B. mit Funkauslösern von Yongnuo, Studioblitzen von Jinbei und Elinchrom (Ranger) und div. Kameramodellen.

Krolop und Gerst haben einmal einen umfangreichen Test mit unterschiedlichen Kameramodellen und Blitzgeräten gemacht. Der Vorteil von Supersync ist der, dass die volle Blitzleistung (Leitzahl) zur Verfügung steht gegenüber HSS wo nur ein Teil der Blitzleistung genützt werden kann. Der Nachteil ist (neben den techn. Schwierigkeiten und Voraussetzungen), dass die Lichtkurve nicht gleichmäßig ist. Daher kann es zu einer Abdunkelung am Randbereich kommen.

Der Haken an der Sache (HSS)

Der Haken an diesem verlockenden HSS ist, dass diese Funktion Blitzleistung frisst. D.h. die Reichweite des Blitzlichts wird wesentlich geringer sein. Wieviel geringer, lässt sich leider schwer sagen.  Aktuelle Canon-Blitzgeräte zeigen, abhängig von der gewählten Belichtungszeit, im Display die Reichweite, wenn man in den HSS-Modus wechselt.

Blitzen mit Graufilter
Blitzen mit Graufilter

Die Alternative

Die Frage ist also, wie man die Situation noch lösen könnte. Und so paradox und so einfach die Lösung sich anhört, so genial ist sie: Einfach einen Graufilter verwenden. Durch den Graufilter wird allgemein Licht genommen und lässt sich die Belichtungszeit vielleicht wieder innerhalb der Blitzsynchronisationszeit verlängern – z.B. 1/200 sec. Auch hier nehmen wir natürlich allgemein Licht und damit auch Leistung vom Blitzlicht. Aber die Leistung des Blitzlichts lässt sich ggf. noch erhöhen (Plus Korrektur), falls sie nicht ausreicht.

Bei der letzten Aufnahme oben z.B. hatte ich Blende 2,5 bei 1/100 sec. Belichtungszeit (ISO 100) mit einem Hoya NDx8 Graufilter. D.h. ohne Graufilter hätte ich eine Belichtungszeit von etwa 1/1000 sec. gehabt und damit außerhalb der Blitzsynchronisationszeit. Der Aufsteckblitz stand etwa auf 5 Uhr mit einem Firefly Beautydish.

Beide Methode (HSS und Graufilter) zeige ich auch in meinem Blitz-Workshop.

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