Sponsored Content – Internet quo vadis?

Sicher haben die meisten die Meldung aus der Presse mitbekommen: Catty Hummels (Ehefrau des Nationalspielers Mats Hummels) wurde vom „Verband sozialer Wettbewerb“ abgemahnt. Grund: Sie hatte auf Ihrem Instagram Account Hashtags verwendet, die Marken aufführten. Catty Hummels sagt selbst, dass sie für diese Hashtags keine Gegenleistung erhalten habe. In einem Fall geht es um ein Bild, in dem die Eltern das Gesicht des Kindes mit einem Stoffelefanten der Firma Steiff verdecken. Durch das Etikett am Elefant ist erkennbar, dass es sich um einen Elefanten der Firma Steiff handelt. Der „Verband sozialer Wettbewerb“ ist der Meinung, dass es sich dabei um Werbung handelt und demnach der Beitrag als Werbung gekennzeichnet werden müsste.

Was ist Werbung?

Sicher, durch das Internet und die sozialen Medien hat die Frage, was Werbung ist, noch einmal eine neue Dimension erreicht. Doch gehen wir noch einmal einen Schritt zurück in die Zeit, bevor es das Internet gab. Jede Frau und jeder Mann kennt es aus Magazinen oder Fachzeitschriften: Da gibt es redaktionelle Beiträge in denen das Magazin z.B. über die neue Sommermode berichtet und dabei (zwangsläufig) auch Marken erwähnte. Für das Erwähnen der Marken erhielten die Marken schon in der Vergangenheit kein Geld. Aber: gerne wurden die Produkte zur Verfügung gestellt und eine Rücksendung wurde nicht verlangt (ich kenne das, weil ich selbst früher in der Branche tätig war). Hier hatte sich nie jemand wegen unlauteren Wettbewerb oder ähnlichem beschwert.

Etwas anderes war/ist es, wenn ein Unternehmen ein Inserat in einer Zeitschrift/Zeitung schaltet und das Inserat so gestaltet, dass es dem redaktionellen Inhalt sehr ähnlich sieht. Dann muss dieses Inserat (kleingedruckt) als Anzeige gekennzeichnet werden.

Derzeit läuft noch der Prozess zwischen Catty Hummels  und dem „Verband sozialer Netzwerke“. Es fällt vielleicht auf, dass ich den Namen dieses „Verbands“ bewusst (und auch die Bezeichnung Verband) in Anführungszeichen setze. Mir muten diese Verbände wie der „Verband Deutscher Umwelthilfe“ nicht wirklich wie ein Interessenvertreter einer Gruppe an. Mir muten diese „Pseudo-Verbände“ vielmehr als ein Teil der Abmahn-Anwälte an, denen es nur darum geht, irgendwie Kohle zu generieren und nicht wirklich Interessen einer Gemeinschaft zu vertreten.

Verunsicherung macht sich breit

Insgesamt macht sich eine große Verunsicherung breit. Diese Verunsicherung führt nun dazu, dass alle, die in den Verdachte geraten könnten, unbeabsichtigt Werbung für eine Marke oder ein Unternehmen zu machen, pauschal alle Beiträge auf Facebook oder Instagram als Werbung kennzeichnen. Dabei informieren Sie auch, dass sie sich durch die unsichere Gesetzeslage dazu gezwungen fühlen. Was ist das Ergebnis: Der Verbraucher kann, wie zuvor, eigentlich nicht echte Werbung von Meinung unterscheiden. Ist damit irgendjemand geholfen? Nein. Aber diese Abmahn-Verbände haben wieder ein paar Euros verdient.

Mir scheint einfach, dass die gesetzgebenden Politiker der aktuellen Entwicklung überhaupt nicht folgen und gerecht werden können.

Das Urheberrecht

Gleiches geht derzeit im EU Parlament vonstatten mit dem Urheberrecht. Seit längerer Zeit berät die EU über eine neue Urheberrichtlinie, die dem Internet gerecht wird. Dabei hat sich die EU einmal wieder mehr dermaßen verzettelt, dass nur Sondermüll heraus kommt. Ich zitiere einmal aus einem Beitrag der Zeitschrift DOCMA (das dürfte ich dann übrigens auch nicht mehr):

Man kann sich das etwa so vorstellen: Ein Taxifahrer wird von seinem Fahrgast gefragt, welches italienische Restaurant er empfehlen könne, und er nennt die Ca Alfredo, wo es eine vorzügliche Fegato alla Veneziana gäbe. Nachdem der Taxifahrer den Gast zur Ca Alfredo gefahren hat, fordert der Wirt eine Gebühr, weil der Fahrer aus der Speisekarte zitiert hätte. Da der Taxifahrer verständlicherweise nicht zahlen will, besteht der Wirt darauf, künftig nicht mehr empfohlen zu werden. Das klingt absurd, aber genau so ist das Leistungsschutzrecht gedacht: Wenn Google & Co. zu einer Suchanfrage passende Artikel anzeigen und mit einem Textschnipsel kenntlich machen, worum es in diesem Artikel geht, sagt der Verlag nicht „Danke“, sondern will noch Geld dafür bekommen.

Das schlimme dabei ist, jeder Betreiber einer Internetseite, eines Forums, eines Blogs, eines sozialen Netzwerks, Youtube müsste bei jedem Beitrag eines Benutzers prüfen, ob er Urheber des Beitrags ist. Darüber hinaus müsste Youtube z.B. beim Upload eines Videos, das ich erstellt habe, prüfen, ob irgendein rechtlich geschütztes Markenzeichen im Video erkennbar ist. Für Youtube bedeutet das praktisch das Aus. Es bedeutet auch das Aus für viele Fotografie-Foren wie DSLR-Forum, dForum, Fotocommunity, Flickr, Sonyuserforum u.v.m. Warum? Weil diese Foren die in Artikel 11 und Artikel 13 geforderten Leistungen, der Prüfung des Urheberrechts, dann nicht mehr gewährleisten können. Würde in einem Upload das Urheberrecht verletzt werden, wären sie (die Foren) dann haftbar. Da die meisten Foren privat betrieben werden, wird das Internet dadurch deutlich ärmer werden.

Was tun?

Als erste Konsequenz werde ich meine Beiträge, in denen Marken erwähnt werden, egal wo, als Werbung kennzeichnen. Sie sind zwar keine Werbung da ich bisher noch nie von einer Marke finanziell oder materiell unterstützt wurde aber damit bin ich zumindest einmal geschützt…

Was das Urheberrecht (Artikel 11 und Artikel 13 betrifft): Es gibt auf change.org eine Online-Petition, die auch ich gezeichnet habe. Stand heute haben knapp 5 Millionen Menschen die Petition gezeichnet. Es ist 5 vor 12. Wenn diese Regelung des Urheberrechts durchgeht, wird das Internet deutlich ärmer werden.

Catty Hummels hat die Option bis vor das Bundesgerichtshof zu gehen. Und ich wünsche mir endlich einmal das unsere +70 Jahre Politiker über die Realität aufgeklärt und diese „Macht“ der Pseudo-Verbände endlich auf den Boden der Tatsachen geholt werden – und sei es durch den Bundesgerichtshof….

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