Die Welt hat sich geändert

Ende 2019 gab es erste Berichte aus China zu einem neuen Virus – SARS-CoV-2 oder auch besser als Coronavirus bekannt. China hatte offensichtlich die Informationen zu diesem neuen Virus lange Zeit verheimlicht. Ein Augenarzt aus Wuhan (China) hatte schon Anfang Dezember Freunde und Kollegen auf einen neuen Virus aufmerksam gemacht. Durch die chinesische Regierung wurde er mundtot gemacht und die Katastrophe nahm ihren Lauf. Genau an dieser Stelle hätte China die Pandemie verhindern können.

Li Wenliang, der Augenarzt, starb am 7. Februar 2020 in Wuhan im Alter von 33 Jahren – angeblich an einer Lungenentzündung (kann glauben wer möchte). Am 9. Februar überstieg die Zahl der Todesfälle in China, aufgrund dieses neuen Virus, bereits die Zahl der Todesfälle der SARS-Pandemie 2002/2003.

Dem Verhalten Chinas und unserer Globalisierung sei Dank verbreitete sich dieses Virus sehr schnell über die ganze Welt. Anfangs gab es auch bei uns hier in Europa immer wieder Vergleiche mit der Influenca (Grippe-Virus). Wonach der Grippe-Virus ja viel gefährlicher wäre. Fachkundige Virologen, wie z.B. Prof. Christian Drosten haben dem früh widersprochen. Das Risiko in diesem neuen Virus liegt darin, dass es extrem infektiös ist (d.h. eine Person steckt andere Personen an) bevor die infizierte Person überhaupt Symptome spürt. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu Grippeviren.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist der, dass es gegen diesen Virus Covid-19 keine Impfung und (Stand heute) kein Medikament zur Heilung gibt. Bei etwa 10% aller Infizierten nimmt die Krankheit einen schweren Verlauf. D.h. die Infektion mit diesem Virus führt zu einer Lungenentzündung. Im ganz schweren Verlauf müssen die Patienten beatmet werden da die Lunge so entzündet ist, dass der Körper nicht mehr genügend Sauerstoff bekommt.

Wie „ansteckend“ ein Virus ist, wird mit der Basisreproduktionszahl  angeben. D.h. Wie viele Personen steckt eine infizierte Person an. Das hängt natürlich auch davon ab, wie viele Personen eine infizierte Person trifft. Bei der Grippe steckt eine infizierte Person etwa 1,3 Personen an. Beim Sars-Coronavirus liegt diese Zahl zwischen 2 und 2,5. Dies führt dazu (wenn keine Maßnahmen ergriffen werden), dass sich die Zahl der infizierten Personen in wenigen Tagen verdoppelt. In der Mathematik wird die Verdoppelung Potenz genannt – die Ursprungszahl wird mit sich selbst verdoppelt.

Im ersten Moment hört sich das harmlos an. Doch dazu ein Beispiel – eine Sage die angeblich zurückführt auf das Schachspiel. Der Erfinder des Schachspiels legte auf das erste der 64 Felder ein Reiskorn. Jedes weitere Feld sollte dann ein Reiskorn mehr und doppelt so viele Reiskörner als das vorherige bekommen. Bei dieser Rechnung sind es am Ende mehr als 18 Trillionen Reiskörner – so schnell kann das gehen.

Die einzige Maßnahme zur Eindämmung der Pandemie, die es Stand heute gibt, ist also die Basisreproduktionszahl  zu senken. Und das geht nur, indem die Kontakte massiv reduziert werden. „Social distancing“, „Stay at home“ oder wie auch immer genannt. Das ist zur Stunde das einzige Mittel, das wir einer exponentiellen Ausbreitung des Virus entgegensetzen können.

Zurück zur Fotografie

Nachdem sich das Virus Covid-19 auch bei uns in Europa rasant ausbreitete, haben die Politiker nach und nach in nunmehr (fast) allen Ländern die Notbremse gezogen. Grenzen wurden geschlossen. Schulen, Kindergärten Bars, Restaurants, Kaffees, Einzelhandel wurden geschlossen, Großveranstaltungen abgesagt und mehr. Zuletzt wurde in vielen Ländern die Ausübung vieler Berufe untersagt wie Friseure und eben auch Fotostudios. Foto-Workshops und Fotoreisen sind damit passé.

Die neue Situation zeigt uns Natur- und Landschaftsfotografen vor allem auch eines: Mit welch unnötigem Luxus wir uns beschäftigen.

Aber auch nicht nur die, die Workshops und Fotoreisen angeboten haben, auch die, die an solchen teilgenommen haben. Dieser Luxus hat sich innerhalb von wenigen Wochen in Luft aufgelöst. Irgendwie finde ich das auch gut, weil es die ganzen Influencer vielleicht etwas erdet.

Ich habe mich in den letzten Tagen auf den Internetseiten von Kollegen etwas umgesehen und war erstaunt, dass eigentlich niemand die geänderte Situation zur Kenntnis nimmt. Ich vermute sie träumen noch etwas…

Die Welt nach Corona wird eine andere sein

Derzeit hoffen alle auf einen Impfstoff oder auf Medikamente, die zur schnellen Heilung führen. Doch Virologen winken solch optimistische Hoffnungen ab – vor 2021 ist kaum mit einer Impfung zu rechnen. Im schlechteren Fall dauert es sogar noch länger. So lange dieser Virus nicht im Griff ist, wie z.B. die Masern oder die Pocken, werden die Reisebeschränkungen bestehen bleiben. Denn auch wenn in einem Land das Virus einigermaßen unter Kontrolle ist, möchte dieses kaum eine neue Ausbreitung importieren.

Wir, egal aus welchem Land kommend, Schweiz, Österreich, Deutschland, Niederlande, Frankreich, Italien – werden in den nächsten Jahren extrem viel Skepsis begegnen, falls es dann überhaupt möglich ist, in ein anderes Land zu reisen.

Die Konsequenzen

Bezogen auf die Konsequenzen geht es mir da nicht anders wie vielen anderen Fotografen, die auch Workshops anbieten. Zwei Workshops habe ich bereits abgesagt und ich habe auch wenig Hoffnung darin, dass die übrigen Workshops stattfinden können. Für die hatte ich bereits Werbung bei Facebook geschaltet – Geld, das ich rückwirkend betrachtet zum Fenster hinaus geworfen habe.

Für 2021 hätte ich gerne im Januar oder Februar eine Fotoreise auf die Lofoten geplant. Da ich für die Unterkunft nur bis Oktober eine Option buchen kann, und aus heutiger Sicht Reisebeschränkungen sicher bis Winter / Frühjahr 2020/2021 bestehen bleiben, macht es keinen Sinn das zu planen.

Ansonsten geht es mir genau so wie euch: Mein Aktionsradius ist extrem eingeschränkt und damit auch die Möglichkeiten, zu fotografieren. Noch kurz bevor die Ausgangsbeschränkungen bekannt gegeben wurden, hatte ich mir das neue Sigma 20mm/f1.8 gekauft. Am Samstag danach hatte ich noch überlegt, abends in die Schweiz zu fahren, um das Objektiv für den geplanten Zweck (Landschaft mit Sternenhimmel) zu testen. Am nächsten Tag wurden die Grenzen geschlossen…

Reine Sunrise
Reine Sunrise

§3a Absatz 2

Es sind nur solche Fahrten gestattet, die bei vernünftiger Betrachtung geeignet sind, die Arbeitsstelle, den Tätigkeits- oder Beschäftigungsort, den Wohnsitz oder den Bestimmungs- oder Ausgangsort einer Warenlieferung möglichst schnell und sicher zu erreichen. Unterbrechungen der Fahrten, insbesondere zu Einkaufs- oder Freizeitzwecken, sind untersagt.

Das bedeutet, dass ich mich nicht einmal innerhalb des eigenen Bundeslandes zu Freizeitzwecken mit dem Auto bewegen darf. Und vielen anderen geht es auch so. Der häufigste Wunsch, den man heute hört ist „bleiben Sie gesund“. Ich möchte mich dem anschließen und wünsche euch „bleibt gesund“!

Irgendwann wird der Spuk vorüber sein – davon bin ich überzeugt. Und dann werden wir die Freiheit zu Reisen, und sei es nur im eigenen Land, wieder ganz neu wert schätzen.

Ponte Tibetano

Nachtrag

Ich stehe China und Produkten aus China schon seit längerem (auch ganz privat) kritisch gegenüber (s. auch mein Beitrag „Plagiat – made in China“).  Verseuchte Lebensmittel, Arbeit unter Dumping-Löhnen, Unterdrückung der Uiguren, die damals völkerrechtswidrige Invasion in Tibet und mehr…. Jetzt, nachdem China dieses Virus in die Welt verbreitet hat, versucht sich das diktatorische Regime als Helfer zu präsentieren. Jeder sollte sich Gedanken darüber machen, ob er dieses System durch Käufe (auch von Zubehör für die Fotografie) unterstützen möchte. Ich vermeide es zunehmend und hoffentlich bald komplett.

Ein Gedanke zu „Die Welt hat sich geändert“

  1. Ich habe 2004 begonnen Ostasienwissenschaften zu studieren. Die Frage war damals, Japanisch oder Chinesisch? China war damals schon groß im kommen, Japan hat sich vom Crash Ende der der 1980er Jahre bis heute nicht erholt. Trotzdem wurde es Japanisch, weil ich schon damals die Politik in China nicht unterstützen wollte. Ich besitze ein China-Objektiv, sonst nur japanische. Leider ist es aber sehr schwer komplett aus Produkten, die ganz oder teilweise in China produziert werden zu verzichten. Hoffentlich lernen die Firmen draus und holen die Produktionen vermehrt nach Hause!
    Die aktuelle „Krise“ sehe ich für mich aber relativ entspannt. Finanziell muss ich natürlich wegen Kurzarbeit auch auf Gehalt verzichten, aber da geht es Berufsfotografen weit schlechter als mir. Ich nutze aktuell eher die Zeit und gehe viel raus zum fotografieren. Dabei bin ich eh am liebsten alleine, dann nörgelt niemand, wenn ich alle 2m wegen nem Bienchen oder Blümchen stehen bleibe und erst mal 30 Bilder mache. Für mich ist das ein Hobby, bei dem ich Stress abbauen kann. Die Ruhe im Wald und dazu noch schöne Fotos!

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