Tipps gegen die Kälte – Damit das Fotografieren im Winter Spaß macht

Schon einige Wochen sind die Temperaturen selbst bei uns, auf 400 Meter Meereshöhe, um den Gefrierpunkt. Oben, in den Bergen, ist es noch ein paar Grad kälter – je nach Wetterlage. Wenn man nun friert, verliert man schnell die Lust am Fotografieren. Und dabei verpasst man viele schöne Möglichkeiten. Sei es der klare Sternenhimmel, die Vollmond-Landschaft mit Schnee oder die Polarlichter auf den Lofoten. Das muss nicht sein!

Fotografieren bei Kälte
Fotografieren bei Kälte

Warum wir frieren

Frieren ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf Kälte. Dabei ist die Wohlfühl-Temperatur von Mensch zu Mensch etwas unterschiedlich und zum anderen von unserer Aktivität abhängig. Wenn wir bergauf gehen, sind 4 Grad Lufttemperatur angenehm. Wenn wir jedoch nur Stehen oder Sitzen, ohne irgendeine Aktivität, sind etwa 21 Grad Lufttemperatur angenehm. Ist die Temperatur unterhalb unserer Wohlfühltemperatur, schlagen die Kälterezeptoren an. Das sind kleine Sender, die dem Gehirn melden, dass es zu kalt ist. Über 30.000 Kälterezeptoren und rund 3.000 Wärmerezeptoren sind über dem Körper verteilt. Liegt die Temperatur stark außerhalb unserer Wohlfühltemperatur, reagiert der Körper. Wenn es zu warm ist, reagiert er mit Schwitzen. Wenn es zu kalt ist, reagiert er mit Zittern. Mit dem Zittern sollen die Muskeln in Bewegung versetzt werden – das erzeugt Energie und soll Wärme erzeugen – also das, was wir z.B. beim Bergaufgehen erreichen würden.

Das Frieren ist also ein Warnsignal des Körpers mit der Aufforderung, etwas zu ändern. Die Reaktion des Körpers ist, dass unwichtigere Köperteile weniger durchblutet werden. Denn zuerst gilt es für den Körper den Körperkern mit den inneren Organen am Laufen zu halten.

Frieren ist eine natürliche Reaktion des Körpers, um unseren Körper zu schützen indem weniger wichtige Bereiche weniger durchblutet werden

Frauen frieren eher als Männer – das ist wissenschaftlich belegt. Es liegt u.a. daran, dass die Kälterezeptoren bei Frauen stärker an der Oberfläche liegen als bei Männern. Frauen ernähren sich oft zurückhaltender und weniger fettreich als Männer und produzieren dadurch weniger Wärme. Außerdem sind Frauen in der Regel schlanker als Männer. Eine „Fettschicht“ schützt den Körper auch vor Kälte.

Die gefühlte Temperatur

Wenn kein Wind geht, liegt um unseren Körper eine dünne Wärmehülle. Man spürt das sehr gut, wenn man einmal die flache Hand mit etwa 1 cm Abstand vor die Stirn hält. Stirn und Handfläche werden gleich wärmer, weil die Hand die Wärme reflektiert. Der Wind bläst diese schützende Hülle davon und der Körper wird stärker ausgekühlt. Im Wetterbericht hören wir deshalb seit längerem den Begriff „gefühlte Temperatur“. Der „Windchill“ (Windkühle) beschreibt den Unterschied zwischen der gemessenen Temperatur und der gefühlten Temperatur abhängig von der Windgeschwindigkeit.

Der Wind lässt die Temperatur wesentlich kälter fühlen

Energie

Wie oben bereits angesprochen, kann das Frieren durch Energie verzögert, gemildert oder beseitigt werden. Energie z.B. in der Form, das wir uns bewegen. Neben der Nahrungsaufnahme ist auch das Trinken wichtig. Frieren kann auch durch Flüssigkeitsmangel eintreten. Ganz schlecht ist Alkohol als Flüssigkeit – dadurch erweitern sich die äußeren Blutgefäße kurzfristig. Das Blut fließt in die äußeren Körperbereiche und gibt einen kurzen Wärmeschub. Dort, wo der Köper aber die Blutzirkulation haben möchte, fehlt sie jetzt – Unterkühlung droht. Ebenfalls schlecht ist Rauchen. Das Rauchen verengt die Blutgefäße – deshalb frieren Raucher auch schneller als Nichtraucher.

Wo wir frieren

Wie oben geschrieben, reagiert der Körper in dem er die Extremitäten weniger durchblutet. D.h. an Zehen, Füssen, Fingern, Beinen, Armen stellt sich ggf. bald ein Gefühl der Unterkühlung ein. Ab einem bestimmten Punkt besteht die Gefahr von Gewebeschädigungen – Frostbeulen oder schlimmstenfalls Erfrierungen.  Dazu muss es nicht einmal Temperaturen unter Null Grad haben – bereits bei Temperaturen zwischen Null und 10 Grad kann es zu Gewebeschädigungen kommen. Und diese können, auch wenn sie nicht extrem sind, echt lästig sein.

Ich erinnere mich an eine Klettertour in der Marmolada-Südwand, als wir ca. 150 Meter unter dem Ausstieg in einen Wettersturz kamen. Wir mussten noch 1 1/2 Seillängen im vereisten Fels klettern, um einen Biwakplatz zu erreichen. Über mehrere Jahre hatte ich als Resultat Probleme in Form von Taubheit an den Fingerspitzen.

Abgesehen davon kann das Kälteempfinden sehr unterschiedlich sein. Frauen frieren oft schnell an den Füssen. Bei manchen sind die Finger besonders empfindlich. Dementsprechend sollte man vorbeugen und sich schützen.

Übrigens: Es ist eine Mär, dass wir besonders viel Wärme über den Kopf verlieren. Auslöser für diesen Glauben ist wohl ein seltsamer Test bei dem Probanden dick verpackt ohne Kopfbedeckung in die eisige Kälte gestellt wurden – klar, dass diese die meiste Wärme über den Kopf verloren hatten. Aber: wer wenig Haare hat, wird wahrscheinlich am Kopf schneller frieren.

Fotografieren im Winter macht Spaß – wenn man richtig vorbereitet ist.

Feuchtigkeit

Feuchte Kleidung (Socken, Handschuhe) entziehen dem Körper noch einmal Wärme. Es entsteht Verdunstungskälte, durch das Verdunsten der Feuchtigkeit angeregt durch die Wärme des Körpers und der kühleren Außentemperatur. Dazu kommt, dass Wasser sehr träge reagiert. Feuchte Kleidung kann nicht, bzw. nur sehr langsam durch den Körper aufgewärmt werden.

Wir wir uns schützen

Nachdem wir verstanden haben, warum wir frieren, wie wir frieren und wo wir frieren geht es darum zu überlegen, wie wir uns gegen das Frieren schützen. Klar, wir laufen nicht nackt herum sondern ziehen etwas an. Also wir schützen uns mit Kleidung. Doch Kleidung ist nicht gleich Kleidung. Im Alltag tragen wir häufig Kleidung, die zu 100% oder zu einem großen Teil aus Baumwolle gefertigt ist. Im Alltag passen wir die Kleidung den Temperaturen spontan an. Das geht unterwegs auf einer Tour oft nicht. Baumwolle hat einen Nachteil: Sie saugt die Feuchtigkeit auf und hält sie längere Zeit. Oben hatte ich etwas über die Feuchtigkeit geschrieben. Daraus wird deutlich, dass Baumwolle nicht so gut geeignet ist.

Wasserdichte Kleidung wie z.B. dicht gewebtes Nylon oder Gummi schützen vor Regen. Aber als Kälteschutz ist diese ebenfalls ungeeignet. Oft beginnen wir in dieser Kleidung zu schwitzen, weil sie nicht atmungsaktiv ist – es entsteht wieder das gleiche Problem wie oben beschrieben. Moderne Kunstfasern isolieren einerseits und transportieren die Feuchtigkeit nach aussen. Sie sind deshalb besonders gut als Kälteschutz geeignet.

Das Zwiebel-Prinzip

Das Zwiebel-Prinzip hat sicher jeder schon gehört. Dabei geht es darum, eher mehrere Schichten zu kombinieren, als eine dicke Schicht zu wählen. Das hat verschiedene Vorteile. Zum einen bildet sich zwischen den Schichten eine Luftschicht. Diese Luftschicht isoliert wiederrum. Zum anderen bringt uns das Zwiebel-Prinzip Flexibilität. Wenn wir z.B. bergauf gehen, können wir ein oder zwei Schichten ablegen und in den Rucksack verstauen. Bei Stillstand können wir die Schichten wieder anlegen. Wichtig ist dabei, dass man auch lockere Schichten hat wie z.B. einen Fleece, der entsprechende Lufträume als Isolationsschicht bildet. Fünf dünne Nylon-Strumpfhosen übereinander getragen sind weniger sinnvoll.

Eine kalte Biwaknacht liegt hinter uns – am Morgen ist alles von Raureif überzogen

Jetzt geht’s in die Praxis

Nach so viel theoretischer Überlegung möchte ich euch beschreiben, wie ich dies in der Praxis umsetze. Dabei gehe ich von innen nach außen.

Unterwäsche

Beim Unterhemd wähle ich schon eine entsprechende Thermo-Unterwäsche. Diese hat den Vorteil, dass sie aus Kunstfaser ist. Baumwolle ist wie oben beschrieben, recht ungeeignet da sie den Schweiss aufsaugt und ich dann am Gipfel frieren würde. Sicher, der Nachteil ist, dass man stärker „riecht“ – aber heye – wir gehen nicht auf eine Modenshow 😉 So etwas gibt es übrigens auch immer wieder einmal bei Aldi oder Lidl im Angebot.

Lange Unterhose / langärmeliges Shirt

Als nächstes trage ich eine lange Unterhose und ein langärmeliges Shirt. Beides wieder als entsprechende Thermowäsche. Früher, als ich noch kletternd aktiv war, war es „modern“ enge Gymnastikhosen zu tragen. Aus dieser Zeit habe ich noch eine, die innen frottiert ist. Ich denke bei den Hosen für Radler / Mountainbiker könnte man in der Art fündig werden. Die trage ich je nach Temperatur anstelle oder über einer langen Unterhose.

An den Füssen trage ich als erste Schicht normale Socken. Je nach Temperatur alleine oder als Schicht darüber Skisocken. Ich selbst habe die Skisocken von Falke. Zugegeben, die sind etwas teurer. Aber meine Erfahrung der Vergangenheit ist: Wer billig kauft, kauft doppelt. Und damit am Ende teurer. Sie gehen weit über die Waden und wärmen damit nicht nur die Füsse.

Hose / Fleece

Bei der Hose ist es wichtig, dass diese winddicht ist. Auch diese ist wieder aus einem atmungsaktiven Material. Lange Jahre hatte ich eine Berghose von Mammut. In Hinblick auf meine Tour nächstes Jahr auf die Färöer Inseln möchte ich mir hier nach mehr als 10 Jahren mal etwas Neues anschaffen. Und da seht Ihr: Gute Qualität hält auch über viele Jahre!

Ebenso geht es mir beim Fleece. Bei der Frage nach dem besten Fleece-Pulli geht bei mir nichts über Patagonia. Abgesehen davon, dass mir die Philosophie des Unternehmens seit mehr als 15 Jahren zusagt – die Qualität ist kaum zu übertreffen. Man hat nicht das Problem mit dem Pilling (diese Knötchen-Bildung). Sie sehen auch nach 10 Jahren aus wie neu. Patagonia produziert weitgehend aus Recycling-Material. Beim Fleece empfehle ich einen ohne Reißverschluss. Der Reißverschluss ist nur eine Kältebrücke. Ich selbst habe einen in der Art wie die Patagonie Fleecejacke (wohgelmerkt seit mehr als 10 Jahren!).

Über die Tourenhose (Wanderhose) trage ich ggf. noch eine Skitourenhose oder eben über der frottierten Gymnastikhose. Die habe ich noch aus der Zeit, als ich Skitouren machte. Aber diese ist wirklich genial, wenn es um das letzte Quentchen Wärme geht. Mit dieser Hose habe ich selbst Temperaturen an die -10 Grad problemlos ohne Bewegung ausgehalten.

Jacke / Mantel / Schuhe

Abhängig von der Temperatur bzw. immer dabei ist eine Jacke bzw. mein Parka. Für die Lofoten 2014 hatte ich mir extra den Fjällräven Parka Yupik bestellt. Für extreme Kälte ist dieser wirklich genial. Genial ist er auch, wegen den vielen Taschen. Da gibt es sogar Innentaschen, in den man die großen Filter temporär unterbringen kann. Die Kapuze passt auch gut, wenn man noch eine Mütze an hat und kann eng geschlossen werden. Wenn es nicht ganz so kalt ist, reicht mir auch eine Softshell-Jacke wie diese Softshell-Jacke von Vaude.

Bei den Schuhen ist es wichtig, dass diese nicht zu eng sind. Luft ist der beste Isolator gegen Kälte. Trotzdem sollte man natürlich einen Halt haben.  Kleiner Tipp: Wenn die normalen Bergstiefel nicht ausreichen, empfehle ich einen Blick auf den Jagd-Bereich. Jäger haben oft das gleiche Problem: stundenlang bei klirrender Kälte ansitzen und nicht frieren. Hier ist der Baffin Artic Polarstiefel auf jeden Fall eine Empfehlung. Die alten Moonboots aus den 80ern wären auch nicht schlecht, aber sie sind im weglosen Gelände eher ungeeignet.

Handschuhe / Mütze

Wie ich oben geschrieben habe, ist es Mär, dass wir den größten Teil der Wärme über den Kopf verlieren. Trotzdem: Die Mütze ist ein Utensiel, das bei Kälte bei mir immer dabei ist. Gerade auf dem Kopf hat der Mensch sehr viele Kälte-Rezeptoren, deshalb macht es viel Sinn, zuerst den Kopf vor Auskühlung zu schützen. Oft kann man dann auf Handschuhe verzichten. Auch die Kopfbedeckung kann bei extremer Kälte mehrschichtig erfolgen. Mit so einer Sturmhaube sieht man vielleicht ein wenig aus wie ein Verbrecher – aber bei kaltem Wind schützt so eine Haube sehr gut das Gesicht vor Unterkühlung. Bei den Mützen finde ich solche aus Fleece-Material sehr angenehm. Wolle ist hübsch, aber trocknet nicht schnell und saugt sich ggf. mit Feuchtigkeit auf.

Handschuhe sind immer ein schwieriges Thema. Einerseits sollen sie wärmen, andererseits möchte man ja noch die Kamera bedienen. Handschuhe an und ausziehen ist auch nicht die beste Lösung. Fäustlinge halten die Wärme wesentlich besser als Fingerlinge. Bei gemässigter Kälte finde ich diese Strickhandschuhe aus Thinsulate ganz gut. Man kann den Fäustling zurück klappen und damit liegen zumindest vier Fingerspitzen frei. Für extreme Kälte sind die Heat 3 Smart zu empfehlen.

Wärmekissen / Handwärmer

Irgendwann kommt man vielleicht in eine Situation, wo die gewählte Kleidung nicht ausreicht, um Hände und Füße noch ausreichend zu wärmen. Auch Jäger verwenden in solchen Situationen gerne Handwärmer. Viele kennen die einfachen Wärmekissen, bei denen ein Metallplättchen in einer Flüssigkeit schwimmt. Man knickt es wodurch die gelartige Flüssigkeit kristallisiert und warm wird. Der Nachteil: Diese halten die Wärme nicht lange an. Spätestens nach 30 Minuten hat man einen nutzlosen, harten Block.

Viel besser sind diese Wärmekissen aus Österreich. Die Päckchen sind luftdicht verpackt. Nach dem Öffnen und der Kontakt mit Sauerstoff beginnt die chemische Reaktion. Nach etwa 15 Minuten haben sie ihre Maximaltemperatur erreicht und die Wärme hält bis zu 12 Stunden an. Sie sind so dünn und flexibel, dass man sie auch in die Handschuhe stecken kann. In etwas anderer Form gibt es diese vom gleichen Hersteller auch als Fußwärmer.

Nicht zu vergessen….

Warme Kleidung und das richtige System sie anzulegen ist eine Sache. Wichtig ist, wie Eingangs beschrieben, auch die Ernährung – trinken und essen. Ein warmer Tee wärmt von innen und ist eine Wohltat bei kalten Temperaturen. Besonders gut ist Ingwer-Tee, da er durch seine Schärfe noch einmal wärmt. Und auch daran denken, ab und zu etwas zu essen. Ein kleiner Müsliriegel oder ein Apfel für unterwegs, spendet wieder Energie.

Wenn die Kamera auf dem Stativ steht und vor sich hin fotografiert, müsst ihr selbst nicht bewegungslos daneben stehen – bewegt euch, um den Körper etwas in Schwung zu bringen.

Falls Ihr noch gute Ideen / Erfahrungen mit Ausrüstung, Kleidung oder Verhalten bei Kälte habt: Schreibt sie in die Kommentare – ich freue mich darüber!


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