Wie Ikarus…

Im Herbst letzten Jahres habe ich mir einen lang gehegten Wunsch selbst erfüllt: Ein Flug über den Bodensee. Irgendwie bin ich in der großen weiten Welt des Internet auf das Thema Gyrocopter gestossen. Nach kurzer Recherche fand ich doch tatsächlich einen Gyrocopter am Bodensee. Meine Bedenken gegen Kleinflugzeug waren oft die, dass das Fotografieren dann nur durch eine Kunststoffscheibe möglich wäre. Beim Gyrocopter sitzt man vollkommen offen. Man hat keine störenden Elemente wie Tragflächen oder Fahrwerk. Für eine Luftbild-Aktion über den Bodensee schien mir deshalb dieses Gefährt ideal.

Blick über den Untersee
Blick über den Untersee

Gesagt, getan flog ich Anfang September. Leider hatte ich etwas Pech mit der Bewölkung. Ich hatte mir die frühen Morgenstunden ausgesucht. Über dem Obersee und dem Gnadensee lag noch Nebel. Lediglich der Überlinger See war vollkommen wolkenfrei.

So starteten wir und flogen ein Stück Richtung Meersburg um zu erkennen, dass das keinen Sinn macht. Also wechselten wir Richtung Mainau, wo es ganz gut aussah. Die Wolken auf etwa 700 Meter Höhe gaben den Bildern eine gute Tiefenwirkung. So flogen wir weiter Richtung Radolfzell um über den Bodanrück nach Bodman und den Überlinger See entlang zum Ausgangspunkt zu fliegen.

Der Pilot, mit dem ich flog, hat zwei Maschinen: Den Gyrocopter, mit dem ich flog und ein Kleinflugzeug. Was ich vorher nicht wusste: Mit dem Gyrocopter darf wegen der Lautstärke nicht so tief geflogen werden. Mit dem Kleinflugzeug kann man tiefer fliegen (hierfür hat er auch eine Ausnahmegenehmigung).

Das Naturschutzgebiet Wollmatinger Ried von oben
Das Naturschutzgebiet Wollmatinger Ried von oben

Das Kleinflugzeug ist speziell für Luftaufnahmen präpariert: Innerhalb der Seitenscheibe gibt es eine Lucke die man öffnen kann – groß genug, um bequem das Objektiv nach außen zu halten. Mein Entschluss stand fest: Das nächste Mal mit dem Kleinflugzeug.

Im Juli war es dann so weit. Wir hatten eine stabile Hochdrucklage. Diesmal wollte ich den Sonnenuntergang fotografieren. Nach kurzer Rücksprache mit dem Piloten und nachdem ich mein Vorhaben erzählt hatte, legten wir fest, den Flug zwei zu teilen: Einen 30-minütigen Flug am späten Nachmittag und einen 30-minütigen Flug zum Sonnenuntergang. Die Empfehlung des Piloten war genau richtig. Denn ich wollte noch im Tiefflug ein paar Landschaftsaufnahmen machen. Zum Sonnenuntergang macht dies keinen Sinn, da die Sonne dann so tief steht, dass die Landschaft mehrheitlich farblos wirkt.

Auch wenn der Sonnenuntergang nicht spektakulär war, war es doch wieder ein schönes Erlebnis und ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Insel Reichenau
Die Insel Reichenau ist die größte Insel im Bodensee

Ein paar Tipps, falls ihr auch so etwas machen wollt: Sucht euch einen Piloten, der auf eure Wünsche eingeht (keine feste Route) und seine Erfahrungen teilt. Die ISO lieber etwas hoch nehmen und dafür kürzere Belichtungszeiten erreichen. Es vibriert einfach im Gyrocopter und im Kleinflugzeug. Ein Zoom-Objektiv von 28 – 70mm Brennweite ist ideal. Ggf. noch ein Weitwinkel. Der Objektivwechsel kann aber im beengten Raum etwas schwierig sein. Nicht die Kamera oder den Arm im Innenraum aufstützen – dadurch werden die Vibrationen direkt übertragen.

Die Kosten lagen bei meinen Flügen bei 2 Euro/Minute. In 30 Minuten kann man aber schon viel erreichen. Im Vergleich zu einem Zeppelin-Flug ein Schnäppchen…

Hier gibt es noch eine kleine Galerie mit einer Auswahl der Aufnahmen.

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