Was ist dein Motiv?

Eine Bekannte hat die Tage ein eigentliche tolles Fotomotiv in einer Facebook-Gruppe gezeigt. Der Titel lautete einfach „Zwiegespräch“.

„Sehen“ und das Gesehene im Bild festhalten – das ist fotografieren. In diesem Bild hat sie sehr schön diese alte Baumwurzeln am Bodensee gesehen, die wie zwei kommunizierende Personen wirken.

zwiegespräch
Zwiegespräch – Foto Nici Schlatterer

Gerade die linke Wurzel wirkt so, als ob sie ein Telefon in der Hand halten würde, oder die Hand an das Ohr halten.

Was ist dein Motiv?

Meine Lebensgefährtin hat mir stolz vor etwas vier Jahren ihre Sonnenuntergangsbilder gezeigt. Ich hatte ihr eine kleine Nikon Coolpix geschenkt, weil sie ihre andere Ritsch-Ratsch im Bodensee versenkt hatte. Naja, irgendwie hat sie meine nüchterne Reaktion etwas enttäuscht. Ich sagte einfach „nett, aber was ist dein Motiv?“.

Sie ist mir heute noch dankbar, über meine damalige Reaktion. Denn: anstatt einfach beleidigt zu sein, machte sie sich Gedanken über diese Frage.

Als Fotograf sollte man sich diese Frage immer zuerst stellen: Was ist mein Motiv?

Denn aus der Beantwortung dieser Frage ergeben sich ganz viele Dinge. Welche Brennweite verwende ich? Welche Blende verwende ich? Welche Belichtungszeit verwende ich?

Zurück auf das Bild oben: Das Motiv sind die Wurzeln – das Zwiegespräch. D.h. alles was darum herum ist, ist nur störend. Die Positionierung ist schon einmal gut – man könnte versuchen, ob die Wurzeln nicht besser links oben platziert sind da die linke Wurzel deutlicher als „Gestalt“ erkennbar ist.

Übrigens: Wusstet ihr, dass es im Englischen kein Wort für „Gestalt“ gibt? Heute morgen beim Frühstück haben wir uns gerade mit den Kindern über die Wörter unterhalten, die vom Deutschen einfach in das Englische übernommen wurden – eben weil es in der englischen Sprache kein Wort dafür gibt.

Was man hätte besser machen können

Das Hauptmotiv sind die Wurzeln. Es geht also darum, diese besser freizustellen. Zwei Wege (vielleicht auch kombiniert) könnten zum Ziel führen. Zum einen hätte man mittels Tiefenschärfe (offene Blende) die Wurzeln besser freistellen können. Die Bäume im Hintergrund stören nur. Wären sie nur einfach verschwommen, würde das vollkommen reichen. Eine andere, oder auch weitere Möglichkeit, wäre ein einfacher Positionswechsel gewesen. Vielleicht so, dass die Wurzeln nur im Himmel sind und nicht durch den Horizont durchtrennt werden.

Noch einmal zurück auf die Ausgangsfrage. Ihr seht, alleine durch die Fragestellung (die ihr euch selbst stellt) ergeben sich ganz viele Dinge bzw. die Aufgabe. Die Kamera ist ein Werkzeug. Sie hat nicht nur ein Gaspedal. Sie hat ganz viele Regler, mit denen wir spielen können 😉

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