Über den Unsinn der Frage „wie hast du das gemacht?“

Komischer Blog-Titel heute… Trotzdem möchte ich mal wieder meine Gedanken ausschütten.

Oft lese ich in Foren die Frage „welche Brennweite hast du verwendet?“ oder „welche Belichtungszeit war das?“. Und auch vor kurzem wurde mir wieder einmal die Frage gestellt, wie lange ich die Aufnahme belichtet hätte.

Uhldingen Starkwind
Eine Langzeitbelichtung, mit ziehenden Wolken, ist jedesmal anders. Selbst wenn man die Belichtungszeit weiß, nützt das herzlich wenig. Es kommt auf Windgeschwindigkeit und Höhe der Wolken an. Situationen, die sich nicht wiederholen lassen.

Inzwischen halte ich mich mit Angaben zurück. Sicher, wenn jemand die Fakten unbedingt möchte, dann nenne ich diese. Doch wenn es ins Detail geht, dann bin ich zurückhaltend. Aus einem einfachen Grund: Die Fakten nützen nichts!

Jede Aufnahmesituation ist einmalig. Im Fotostudio kann man vielleicht Situationen ziemlich genau replizieren. Aber selbst hier wird es schwierig. Der Blitz 10 cm nach recht, oder nach links oder vielleicht doch nach vorne oder nach hinten. Das Model etwas gedreht. Die Aufnahmeposition etwas anders. Spürt ihr was? Und ich schreibe jetzt hier vom Studio, wo die Aufnahmesituation „replizierbar“ sein sollte. Sie ist es nicht. Euer „Vorbild“ hat einen Elinchrom-Blitz und ihr habt einen Jinbei. Er/Sie hat einen Beauty-Dish von Elinchrom und ihr von Jinbei. Das sind zwar ähnliche Lichtformer, aber eben nicht die gleichen.

In der freien Natur wird es noch extremer. Jeden Tag hat man eine vollkommen andere Situation. Vielleicht einmal eine ähnliche – aber niemals nie die gleiche. Wetterstimmungen in Kombination mit Licht, Uhrzeit, Jahreszeit, Datum, Sonnenstand, usw. werden sich nie und niemals wiederholen.

Entfesselt blitzen
Und wo standen die Blitze? Welcher Lichtformer wurde verwendet? Welche Blende, welche Brennweite – auch dieses Bild – ich selbst könnte es ähnlch machen, aber nicht exakt gleich

Genau aus diesem Grund ist die Frage „wie hast du das gemacht? Welche Belichtungszeit, welche Blende?“ usw. einfach sinnlos.

Lernen, verstehen wird man nie über Daten, Fakten. Es geht darum, ein Gefühl zu bekommen. Was möchte ich erreichen? Was soll letztendlich das Bild darstellen?

Wenn man dann das Wissen im Kopf hat, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit das Ergebnis so aussieht, dann weiß man beinahe intuitiv, welche Parameter zu wählen sind. Welche Brennweite, welche Filter usw. Und oft (gerade in der Natur, bei Landschaftsaufnahmen) wird man dann wissen, dass das, was man gerne hätte, sich heute einfach nicht realisieren lässt – egal welche Parameter man an der Kamera wählt. Und genau das ist das schöne an der Fotografie: Fotografie ist mehr als nur Zahlen, Daten, Fakten – es hat unwahrscheinlich viel mit Gefühl und Verständnis der Zusammenhänge zu tun. Das lernt man eben einfach nicht von heute auf morgen…. Für das gibt es u.a. die Berufsausbildung und die Erfahrung. Und… bye the way – manche lernen es nie. Aber das ist wie beim Tanzen – manche können zwar die Schritte – aber tanzen ist etwas anderes….

Ich möchte euch damit nicht entmutigen – aber etwas Realismus täte vielen gut 🙂 Und nicht zuletzt kann man am Tanzen auch Spaß und Freude haben, selbst wenn man kein Top-Tänzer ist.

Ich bekomme selten Kommentare bzw. Feedbacks auf meine Blog-Beiträge – doch hier würde es mich echt freuen, wenn ihr euer Feedback gebt.

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