Sommergewitter – Blitze fotografieren

Glühende Hitze, die Luft wird von Tag zu feuchter und unangenehmer. Nachts kühlt es kaum unter 20 Grad ab – tropische Nächte in Süddeutschland. Gegen Nachmittag bauen sich Wolkentürme auf. Cumulonimbus ist der Fachbegriff für diese Gewitterwolken, die locker bis in 10 Kilometer Höhe reichen.  Reichen Wärmeunterschiede und Luftfeuchtigkeit aus, dann kommt es irgendwann zu dem Punkt, an dem sich die Energie entlädt: Gewitter.

Gewitter am Bodensee
Gewitter am Bodensee. Entfernung ca. 40 Kilometer

Gleiches geschieht auch, wenn sehr warme und sehr kalte Luftmassen aufeinander treffen. An der Grenze entstehen sogenannte Frontgewitter. Diese können recht genau vorher gesagt werden – im Gegensatz zu den erstgenannten Wärmegewittern. Öffentlich zugängliche Internetseiten mit Radarbildern, die Niederschläge und Blitze zeigen, machen es interessant, diesem Wetterphänomen hinterher zu jagen.

Einige Bilder hatte ich auf der Facebook-Seite mein-bodensee gezeigt und in anderen Gruppen geteilt. Und immer wieder wurde die Frage gestellt: Wie fotografiert man Blitze bzw. Gewitter?

Klar ist: Drückt man auf den Auslöser, wenn man den Blitz sieht, ist es viel zu spät. Der Moment dauert selten länger als einige 100 Millisekunden. Da ist wahrscheinlich der Donner noch vor der Auslösung der Kamera beim Beobachter 😀

Deshalb gibt es nur eine Möglichkeit: Der Verschluss der Kamera muss schon vor dem Blitz offen sein.

Am besten platziert man sich in der Nähe eines Gewitters. Ideal ist es, wenn man einen Unterstand hat – vielleicht ein Wartehäuschen am Bootsanleger oder ganz sicher – von zu Hause aus dem Fenster. Frontgewitter sind wie gesagt relativ einfach vorher zu sehen. Es gibt verschiedene Internetseiten, die bevorstehende Unwetter vorher sagen wie z.B. Unwetterzentrale. Hier am Bodensee ist Metradar, eine schweizer Seite, sehr hilfreich. Gut ist es, wenn man ein paar Spots weiß, wo man eine freie Sicht auf den Himmel hat, es vielleicht etwas geschützt ist und eine interessante Kulisse hat (Vordergrund/Hintergrund). Am besten ist es, wenn man vor dem Gewitter am Spot ist. Dann ist es noch trocken und die Blitze sind in der Ferne sichtbar. Deshalb bei der Ankündigung von Gewittern im Wetterbericht: immer wieder mal die Wetterentwicklung beobachten.
Ergänzend gibt es auch einige Apps für das Handy – unten dazu ein paar Links oder einfach mal Google bemühen…

Die eigene Sicherheit geht vor! Ein einsamer Platz auf einem Hügel, wo man dann selbst den höchsten Punkt darstellt, ist nicht der ideale Platz für solche Aktionen. Man sollte auch darauf achten, dass das (rettende, trockene) Auto nicht zu weit weg ist. Im Auto ist man auch vor Blitzeinschlägen geschützt (Faradayscher Käfig). Ansonsten gilt es Abstand von Blitzableitern oder ähnlichen Metallteilen (Geländer) und vom Wasser zu halten. Viele Blitze schlagen einfach in die Wasseroberfläche ein. Die meisten Blitze sind ohnehin „Luftblitze“ – d.h. sie kommen überhaupt nicht zur Erde.

Meersburg
Fähre Meersburg – Konstanz mit Gewitter im Hintergrund

Wie weit ist das Gewitter entfernt: Da zwischen Licht- und Schallgeschwindigkeit ein erheblicher Unterschied besteht, kann man ungefähr ausrechnen, wie weit ein Gewitter entfernt ist. Zähle einfach die Sekunden zwischen Blitz und Donner (21-22-23-…). Die Sekunden mit 333 multipliziert ergibt die Entfernung in Meter. Oder mal 0,33 = Entfernung in Kilometer. Beispiel: Zwischen Blitz und Donner liegen fünf Sekunden, dann ist das  Gewitter 1650 Meter oder 1,7 Kilometer entfernt. Wetterleuchten (das sind die weit, weit entfernten Blitze hoch im Himmel) sind übrigens über 100 Kilometer sichtbar.

Schutz der Kamera: Je nach Modell (und persönlicher Empfindlichkeit) und Aufnahmeort kann es notwendig sein, die Kamera etwas zu schützen. Eine einfache Möglichkeit ist z.B. ein Gefrierbeutel. Eine Öffnung noch für die Stativhalterung hinein schneiden und den Beutel über die Kamera stülpen. Vorne, am Objektiv, kann man mit einem Gummi den Beutel fixieren. Am besten informiert man sich zuvor, wie gut die eigene Kamera gegen Spritzwasser geschützt ist. Den meisten Kameras machen ein paar Regentropfen nichts aus. Das ist übrigens eine der wenigen Situationen, wo ein billiger Skylight-Filter o.ä. Sinn macht: Denn er kann einfach abgewischt werden, ohne das Objektiv zu zerkratzen.

Die Tageszeit: Gewitter am Tag sind zwar auch eindrucksvoll; zum Fotografieren von Blitzen ist diese Zeit jedoch wenig geeignet. Aufgrund der allgemeinen Helligkeit sind die Blitze kaum sichtbar und eine längere Verschlusszeit ist auch nur mit zusätzlichem Graufilter zu erreichen (Das Bild unten entstand 30 min. vor Sonnenuntergang – der Blitz hinten ist kaum zu sehen). Besser ist die Nacht oder die späte Dämmerung. Dann erleuchten die Blitze die Landschaft und schaffen eine besondere Stimmung.

Gewitter im Anzug
Gewitter im Anzug. Entfernung (Blitz) ca. 25 Kilometer.

Die Kamera kommt auf ein Stativ und wird ungefähr in die Richtung des Gewitters ausgerichtet. Besser nimmt man mehr vom Himmel auf das Bild als vom Vordergrund. Also z.B. 1/3 Vordergrund und 2/3 Himmel. Denn die meisten Blitze erreichen überhaupt nicht den Boden sondern bleiben im Himmel. Manchmal gehen die Blitze z.B. quer über den Himmel. Bei der  Objektivwahl bewegt man sich besser im Weitwinkel-Bereich. Am APSC-Sensor wären das so 10 – 35 mm Brennweite. Das entspricht etwa 15 – 50 mm Brennweite am Kleinbildformat.

Da mit einem Gewitter oft starke Winde verbunden sind sollte man ggf. eine Möglichkeit haben, das Stativ etwas zu beschweren.

Kabel-Fernauslöser
Ein Kabel-Fernauslöser gehört eigentlich in jeden Foto-Rucksack. Mit diesem lassen sich auch Intervall-Aufnahmen einstellen.

An der Kamera wähle ich den Modus „M“ – also manuell. Blende und Empfindlichkeit passe ich nun so an, dass ich auf etwa 10 Sekunden Belichtungszeit komme. Nachts komme ich da auf ISO 200 – 400. Eigentlich geht alles zwischen ungefähr 5 und 30 Sekunden Belichtungszeit. Bei längerer Belichtungszeit hat man u.U. mehr Blitze auf einem Bild. Wichtig ist auf jeden Fall unterzubelichten. Denn erst der Blitz sorgt für die richtige Ausleuchtung (Belichtung). Wenn ihr also gerade in einem Moment fotografiert habt, in dem kein Blitz war, sollte die Aufnahme deutlich unterbelichtet sein.

Die Blende sollte nicht zu offen gewählt sein, damit man eine gute Tiefenschärfe hat. Also Blende zwischen 6.7 und 8 ist ein guter Anhaltspunkt. Wichtig ist, alle anderen Automatiken an der Kamera auszuschalten. Den Weißabgleich stelle ich auf Tageslicht. Wobei man auf  jeden Fall  in RAW fotografieren sollte  da eine nachträgliche Korrektur des Weißabgleich fast immer notwendig ist. Da die Kamera auf dem Stativ  steht, kann man auch die Shake-Reduction ausschalten (VR – Vibration reduction bei Nikon). Sollte die Kamera internes Entrauschen bei Langzeitbelichtungen unterstützen, sollte man dies besser ausschalten, da man sonst sehr lange Zwangspausen zwischen den Aufnahmen hat. Entrauschen kann man dann später in Lightroom oder anderen Zusatzprogrammen.

Gewitter bei Radolfzell
Gewitter bei Radolfzell. Entferung (Blitz) ca. 15 Kilometer. 15 sec., ISO200, Blende 7.1

Nun sollte man im Intervall Aufnahmen machen. Manche Kameras unterstützen dies intern. Falls das eure Kamera nicht kann, solltet ihr euch einen Kabel-Fernauslöser für die Kamera mit Intervall-Funktion besorgen. Der oben abgebildete Timer Fernauslöser TM-A von JJC ist so ein Intervallauslöser den man natürlich auch als normalen Kabelauslöser verwenden kann.  Ein Kabelfernauslöser gehört ja eigentlich in jeden Fotorucksack – Kostenpunkt ca. 30 Euro.

Zwischen den einzelnen Aufnahmen sollte man der Kamera etwa eine Sekunden Zeit zum Speichern lassen. Also bei einer Belichtungszeit von 10 sec. einen Intervall von 11 Sekunden wählen. Ich mache in der Regel 10 Aufnahmen. Dazwischen wechsle ich mal das Objektiv oder wähle einen anderen Bildausschnitt.

Zuletzt ist es einfach ein wenig Glück, im richtigen Moment ausgelöst zu haben.

Hier zusammengefasst eine kleine Check-Liste:

  • Wetterbericht abrufen
  • Regenschutz (persönlicher und für Kamera)
  • Kabelfernauslöser (Intervallauslöser)
  • Stativ
  • Kamera Modus „M“
  • Shake-Reduction aus
  • Entrauschen aus
  • Weißabgleich Tageslicht
  • ISO 200 – 400
  • Belichtungszeit 5 – 15 Sekunden
  • Blende 5.6 bis 11
  • RAW-Aufnahmemodus
  • ggf. Graufilter (verlängert die Belichtungszeit wenn es noch heller ist)
Luft- Bodenblitz
Luft- Bodenblitz, 15 sec, Blende 7.1, ISO 200

 

Links und Apps:

Blitzortung Gewitter-Monitor (App)

Blitz-Radar (Web und App)

Blitzortung (Web)

Darüber hinaus gibt es noch kostenpflichtige Dienste die man über die Suchmaschinen (Google) findet.

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