Mit oder ohne Filter?

Ach, waren das noch Zeiten…. „Reval – mit oder ohne Filter?“. Aber heute geht es nicht um Glimmstengel. 🙂

Im heutigen Blog geht es um das Thema Filter für die Kamera bzw. für das Objektiv. Um es kurz und bündig auf einen Punkt zu bringen: In der Zeit der Digitalkameras bzw. der digitalen Bildbearbeitung sind eigentlich nur noch zwei Filter sinnvoll bzw. nicht durch die Bildbearbeitung zu ersetzen:

  • Polfilter
  • Graufilter

Den Graufilter werde ich zweiten Teil noch differenziert betrachten.

In Workshops bin ich immer wieder erschrocken darüber, was den Einsteigern so im Fotogeschäft verkauft wurde. Deshalb ist es mal an der Zeit, ein paar Zeilen über das Thema Filter zu verlieren. Zur Entschuldigung der Händler muss man sagen, dass am Gehäuse (Body) und der Linse oft nicht viel verdient ist. Der Umsatz (Gewinn) wird wohl hauptsächlich über das Zubehör gemacht. Aber daran ist ja nicht der Kunde schuld…

Jedenfalls kann gleich gesagt werden: Alle anderen Filter wie UV-Filter, Skylight-Filter oder wie immer sie heißen, sind für ein besonderes Bildergebnis nicht notwendig. Man kann nun endlos darüber diskutieren, ob diese als „Schutzfilter“ Sinn machen oder nicht. Es wird immer jemand geben, dem angeblich ein solcher Filter einmal das Objektiv gerettet hat. Ebenso wird es jemand geben, der Leben gerettet hat, weil er ein Abschleppseil dabei hatte. Was ich damit sagen möchte: Entscheidet es selbst, ob ihr für einen dieser eigentlich nicht notwendigen Filter Geld ausgeben möchtet, oder nicht.

Vielleicht kann man zwei Situationen erwähnen, in denen ggf. ein „Schutzfilter“ Sinn macht. Die eine ist bei starkem Wind mit Sand (habe so etwas mal an einer Wanderdüne erlebt) und bei Regen (ein Filter lässt sich leicht abwischen). Ansonsten ist es ein zusätzliches Glas, das die Qualität der Aufnahme nicht verbessert aber verschlechtern kann. Z.B. durch zusätzliche Lichtreflexe (Flares).

Ich konzentriere mich hier auf die sinnvollen Filter. Und hier zuerst auf den Polfilter.

Polfilter

Der Polfilter ist wohl der Filter, der am schwierigsten zu verstehen ist. Oft denke ich, man muss Dinge auch nicht bis ins Detail verstehen. Wichtig ist zu verstehen, was der Polfilter bewirkt und wie man ihn verwendet.

Um es kurz und allgemeinverständlich zusammen zu fassen: Licht trifft relativ chaotisch in unterschiedlichen Wellenlängen und Schwingungsrichtungen auf den Sensor. Durch den Polfilter wird das Licht polarisiert. Hinter dem Polfilter treten nur Lichtwellen aus, die alle in der gleichen Ebene schwingen. Durch das Drehen des Filters kann man die Schwingungsrichtung wählen.

In der Regel werden heute nur noch zirkulare Polarisationsfilter verwendet. Der zirkulare Polarisationsfilter hat eine zusätzliche Schicht, durch die das linear polarisierte Licht in zirkular polarisiertes Licht gewandelt wird. Naturwissenschaftler, Physiker o.ä. wissen, verstehen es sowieso – deshalb beschränke ich mich auf die laienhafte Reduktion des Themas. Für eine digitale Spiegelreflexkamera sollte man nur zirkulare Polfilter verwenden, da bei linearen Polfiltern zwar die Wirkung die gleiche ist, aber der Autofokus und/oder der Belichtungsmesser ggf. nicht korrekt arbeitet.

Was bewirkt nun der Polfilter?

Nun, es gibt mehrere Wirkungen: Eine der hilfreichsten (und am wenigsten bekannten) ist die Reduktion von Spiegelungen. Angler verwenden z.B. Brillen mit Polfilter, damit sie die Fische unter Wasser sehen. Wenn du also einen Polfilter hast, dann richte einmal das Objektiv (mit Polfilter) auf eine Wasseroberfläche und drehe dann den Filter. Schnell wirst du sehen, wie Spiegelungen verschwinden und Steine unter der Wasseroberfläche sichtbar werden. Ebenso lassen sich Spiegelungen auf Blättern, Autolack oder Glas mit Hilfe des Polfilters reduzieren. In der Regel lassen sich die Spiegelungen nicht vollständig eliminieren. Die Wirkung ist abhängig vom Aufnahmewinkel zur Oberfläche.

Dieses Entspiegeln mit Hilfe des Polfilters funktioniert nicht bei metallischen Oberflächen.

Das Wissen um diese Wirkung ist wichtig, um die Bildwirkung zu beeinflussen. Denn nicht immer ist es sinnvoll oder gewünscht, die Spiegelungen zu entfernen.

Polfilter
Der Polfilter kann Spiegelungen entfernen

Die zweite Wirkung betrifft die Sättigung der Farben. Besonders beim Himmelsblau fällt dies auf: Die Farben erscheinen dunkler und satter. Aber auch hier gilt wieder, dass die Wirkung vom Winkel abhängt. In diesem Fall ist damit der Winkel zur Sonne gemeint. im 90% Winkel zur Sonne erzielt man die maximale Wirkung. Gegen oder mit der Sonne fotografiert, wird man keinen Unterschied feststellen, unabhängig davon, wie man den Polfilter eindreht.

Am Ultraweitwinkelobjektiv kann es daher zu einer unschönen, sanduhrförmigen Verstärkung des Effekts kommen. Dies rührt daher, dass das UWW Objektiv einen großen Blickwinkel abbildet.

Unschöner Effekt des Polfilters am UWW Objektiv
Unschöner Effekt des Polfilters am UWW Objektiv

Dadurch, dass der Polfilter Licht filtert, schluckt er Licht. In der Regel kann von ein bis zwei Blendenstufen ausgegangen werden. Dies kann manchmal sinnvoll sein, weil man dadurch vielleicht keinen Grauflilter benötigt, um die Belichtungszeit zu verlängern (z.B. fliessendes Wasser). Manchmal kann aber auch das Bild verschlechtert werden z.B. beim Fotografieren aus der Hand und schlechten Lichtverhältnissen. Dann also besser den Polfilter abschrauben.

Preisunterschiede

Polfilter gibt es in der Preisklasse von etwas unter 10 Euro bis über 200 Euro. Nun steht man ratlos da und weiß nicht, was man nehmen soll. Die Preisunterschiede ergeben sich durch unterschiedliche Durchmesser und unterschiedliche Qualität der Filter. Qualität betrifft:

  • Verarbeitungsqualität
  • Farbneutralität
  • Vergütung
  • Lichtdurchlässigkeit

Von einem billigen Filter kann man sicher keine Top-Qualität verlangen. Aber ein 100 Euro Filter steht wohl auch nicht im Verhältnis, zu einem 300 Euro Komplettsystem (Kamera und Linse). Auf jeden Fall sollte der Filter aber leichtgängig zu drehen sein. Farbfehler kann man ggf. korrigieren, wenn man in RAW fotografiert. Persönlich habe ich ganz gute Erfahrungen mit der Marke Hoya gemacht, die im mittleren Preissegment liegen (ca. 100 Euro).

Grundsätzlich „schlucken“ Polfilter immer etwas Licht – er verlängert also die Belichtungszeit. Sehr gute Filter kosten lediglich 1/2 Blendenstufe wogegen schlechtere Filter eine ganze Blendenstufe Licht schlucken.

Ein genereller Tipp: Kauft den größten Durchmesser entsprechend eurer Objektive bzw. geplanten Objektive. Es ist wesentlich günstiger, mit sogenannten Step-Down Adaptern den Polfilter für ein Objektiv mit kleinerem Filterdurchmesser zu adaptieren, als mehrere Polfilter zu kaufen.

Im folgenden Video zeige ich auch noch einmal die Wirkungsweise und die Verwendung des Polfilters.

Slim-Filter

Slim-Filter sind etwas teurer und dafür schmaler. Die Gefahr der Vignettierung, insbesondere bei Ultraweitwinkel-Objektiven, in den Ecken wird dadurch minimiert. Falls sie mal klemmen, sind sie etwas schwerer zu lösen. Ggf. mal mit einem Kabelbinder versuchen.

Blue/Yellow, Gold-N-Blue Polarizer

Von Cokin bzw. Singh-Ray gibt es noch spezielle Polfilter wie den Blue/Yellow (Cokin) oder den Gold-N-Blue (Singh-Ray). Diese fügen dem polarisierten Licht eine Farbtonung hinzu. Je nach Drehung des Filters sieht man die eine Farbe leicht bis extrem oder die andere. Dies führt zu interessanten Effekten.

Cokin Blue/Yellow Polarizer
Cokin Blue/Yellow Polarizer

Im zweiten Teil schreibe ich dann etwas über Graufilter…

Ergänzung: In der Facbook Gruppe Fotografie gab es eine Diskussion, ob der Hoya Polfilter starke Farbverschiebungen hätte. Kurzerhand habe ich ein Test-Szenario aufgebaut.
Die Aufnahmen wurden mit dem Canon 24mm TS-E gemacht, Weißabgleich Tageslicht (5200 Kelvin). Blende 3.5 Modus AV. 1/125 sec. bzw. 1/400 sec. D.h. der Polfilter schluckt also rund zwei Blendenstufen. Eine Farbverschiebung ist für mich nicht erkennbar.

Hoya Polfilter mit SpyderCube.
Hoya Polfilter mit SpyderCube.

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