Landschaft mit Sternenhimmel

Als ich das erste Mal Bilder einer Berglandschaft mit unzähligen Sternen und der Milchstrasse, im Tal Nebelfelder mit Lichtflecken von den Orten sah, war ich ganz begeistert von dieser Art Bilder. Jedenfalls wollte ich das mit meiner ersten Pentax DSLR auch machen. Die ersten Versuche entstanden noch mit der Pentax K-7.
Gleichzeitig überlegte ich nach den ersten Anfängen, ob ich noch einmal nach einem lichtstärkeren Ultraweitwinkel-Objektiv Ausschau halten sollte.

Ich habe das Thema „Sternenhimmel“ derzeit in drei Teile gegliedert:

Die einhellige Meinung in manchen Foren ist, dass F2.8 das Minimum an notwendiger Lichtstärke für Aufnahmen dieser Art ist. Meine ersten Aufnahmen entstanden mit dem Sigma 10-20 bei Blende 4.5. Daraus resultierte, dass ich bei ISO 800 auf 25 Sekunden Belichtungszeit gehen konnte (mehr dazu unten).

Nacht
Eine Nacht auf dem Säntis (2.500 Meter). Im Tal liegt Nebel durch den die Lichter scheinen.

Wo liegt das Problem?

In einem meiner Tutorials, in dem es um HDR-Aufnahmen ging, hatte ich schon einmal darauf hingewiesen, dass sich unser Auge den Lichtverhältnissen anpasst. In sternenklaren Nächten machen wir unzählige Sterne am Himmel aus.
Versuchen wir dies mit einer einzelnen Aufnahme zu fotografieren, sind wir oft vom Ergebnis enttäuscht. Starkes Rauschen (dadurch, dass die Empfindlichkeit ziemlich hoch gedreht wurde), Hotpixel (kleine grüne, blaue, rote Punkte im Bild), Sterne die Striche ziehen stören das Ergebnis. Und vom Vordergrund (vielleicht eine Hütte, ein Berg) ist nichts mehr zu sehen.

Wie kann man nur diese unzähligen Sterne auf den Sensor bringen?

Die Drehung der Erde
Das erste Problem ist, dass sich die Erde dreht (zum Glück 😀 ). Bei längeren Belichtungszeiten werden dadurch aber die Sterne unweigerlich zu Strichen.
Zur Berechnung der Grenze, wie lange die Belichtungszeit bei einer Einzelaufnahme sein darf, ohne das die Sterne zu Strichen werden, gibt es die sogenannte 500er Regel. Diese Regel berücksichtigt die Brennweite. Denn, je länger die Brennweite, desto kürzer können wir belichten.

500 / Brennweite = max. Belichtungszeit
Beispiel: 500 / 20mm Brennweite (ca. 12 mm am APSC Sensor) ergibt 25 sec. Belichtungszeit. Hat man eine Kamera mit APS-C Sensor, muss man also zuerst die Brennweite mit 1,5 multiplizieren.

Startrails_1200Diese Sternstriche sind Absicht: Startrails ist eine andere Variante, die im dritten Teil beschrieben ist.

O.k. Nun wissen wir, dass wir bei 10mm Brennweite am APS-C Sensor maximal ca. 25 sec. belichten können. Das ist nicht viel. Was können wir also noch tun, um möglichst viel Licht auf den Sensor zu bringen?
Der nächste Faktor wäre die Blende. Oben habe ich schon geschrieben, dass es in manchen Foren die Meinung gibt, dass das Objektiv schon sehr lichtstark sein sollte. Das war dann auch der Grund, weshalb ich dann ein Pentax 14mm f2.8 erworben habe.

Man kann aber durchaus auch mit einem Kit-Objektiv brauchbare Ergebnisse erzielen. Vielleicht müsst ihr dann mehr Aufnahmen machen.

Die nächste Stellschraube ist die Empfindlichkeit (ISO). Je höher wir diese drehen, desto mehr müssen wir mit Rauschen rechnen. Der Wechsel zur Pentax K-5 war dann für mich schon eine ordentliche Steigerung. Bei der K-7 hatte ich bei ISO 1600 schon kräftiges Grundrauschen bei dieser Empfindlichkeit.

Wenn wir nun mit diesen Parametern (z.B. ISO 800 / f2.8 / 25 sec.) belichten, werden wir nicht so viele Sterne auf dem Einzelbild sehen, wie wir mit dem Auge wahrgenommen haben. Viele Sterne werden nur als unwesentliche graue Punkte untergehen.
Das Zauberwort heißt „stacken“ (stapeln).

Für das Stacken werden mehrere Einzelaufnahmen hintereinander mit den gleichen Parametern (Blende, Belichtungszeit, Empfindlichkeit) gemacht. Diese werden mit Hilfe einer (kostenlosen) Software gestackt (addiert). Eigentlich kommt das Thema aus der Astro-Fotografie. Zwischen fünf und 10 Aufnahmen sollten dazu gemacht werden.

Wichtig ist: Sollte man sich für das Stacken entscheiden, darf man sich von der Voransicht am Display der Kamera nicht irritieren lassen. Man neigt dazu, die Bilder zu hell zu machen. Durch das spätere Addieren wird das Endergebnis etwas heller sein.

Aufnahmen

Als Ausgangsformat sollte man in RAW fotografieren. Wichtig ist jede Automatik auszuschalten. D.h. Weißabgleich auf Tageslicht, Wackel-Dackel (Shake-Reduction) aus und Modus M wählen. ISO manuell einstellen, Belichtungszeit manuell einstellen, Blende manuell wählen.
Die Kamera muss natürlich auf ein Stativ montiert werden.
Falls es die Kamera zulässt, sollte man auch das Entrauschen in der Kamera und die kamerainterne DarkFrame Erstellung ausschalten (Handbuch lesen!) da die Pausen sonst zwischen den Aufnahmen zu lange sind.

An manchen Kameras kann man Intervall-Aufnahmen einstellen. Ansonsten einen Fernauslöser, der die Funktion Intervall-Aufnahmen hat. Ich lasse der Kamera dann 1-2 Sekunden Zeit zum Speichern. Also bei 25 Sekunden Belichtungszeit = Intervall 27 Sekunden.
Das Ganze kann man auch als „Photonenfangen“ bezeichnen. Auch wenn wir auf den Einzelaufnahmen nicht so viel sehen – die Lichtwerte werden später durch die spezielle Bildverarbeitung, die ich im zweiten Teil beschreibe, summiert.

Einstellen der Schärfe

Ältere, manuelle Objektive sind hier etwas im Vorteil, da die Unendlich-Einstellung (liegende Acht) auch „Unendlich“ entspricht. Die neuen Autofokus-Objektive haben oft einen Raum hinter der richtigen Unendlich-Einstellung. Dazu einmal bei Tageslicht mit Autofokus auf ein Objekt am Horizont fokusieren. Dann auf manuellen Fokus umstellen und sich diesen Raum für die Nachtaufnahme merken. In der Nacht dann auf manuellen Fokus stellen, Schärfeeinstellung bis zu Anschlag und wieder das kleine Stück zurück, das ihr euch gemerkt habt.

Das Auslösen der Kamera sollte ohne Erschütterungen stattfinden. Also Selbstauslöser oder Kabelauslöser verwenden. Auch während der Belichtung sind Erschütterungen in der Umgebung der Kamera zu vermeiden.

Walensee
Am Walensee (Schweiz). Die Lichter der Ortschaften spiegeln sich im Wasser.

Hat man die Aufnahmen gemacht, kann man noch sogenannte „Darks“ machen. Das sind Aufnahmen mit dem Objektivdeckel drauf. Also gleiche Belichtungszeit, gleiche ISO, gleiche Umgebungsbedingungen.
Warum? Bei langen Belichtungszeiten kann es zu Hotpixeln kommen. Das sind kleine extrem farbige Punkte. Die Anzahl und Größe der Hotpixel ist von diesen Umgebungsbedingungen abhängig. Die einen sagen, die Anzahl der Darks sollte der Anzahl der Lights (also der richtigen Aufnahmen) entsprechen. Wieder andere sagen, dass es weniger sein können.
Festzuhalten ist: Wenn die Kamera stark zu Hotpixeln neigt und man die Hotpixel später möglichst einfach eliminieren möchte, sollte man eine Anzahl Darks unter gleichen Bedingungen machen.
Das bedeutet: Gleiche Empfindlichkeit, gleiche Belichtungsdauer, gleiche Außentemperatur!

Zugegeben: Ich verzichte i.d.R. auf die Darks da ich bei 20 sec. Belichtungszeit keine sichtbaren Hotpixel habe. Das muss jeder selbst an seiner Kamera bzw. den Ergebnissen beurteilen.

Vordergrund und Vorbereitung

Noch ein Tipp zur Bildgestaltung: „Der Titel lautet ja Landschaft mit Sternenhimmel „. Ein Bild, in dem der Vordergrund nur schwarz ist, wirkt nicht so toll. Auch hier sollte man zu dem Sternenhimmel noch ein Motiv suchen.

Ein nahes Objekt kann man vielleicht mit einer starken LED Taschenlampe ausleuchten. Wenn ihr dunkle Kleidung habt, könnt ihr während der Belichung auch vor der Kamera herum laufen und etwas ausleuchten. Dadurch, dass ihr euch ständig bewegt, wird man euch später auch nicht auf dem Bild sehen.

Eine andere Möglichkeit ist eine entsprechende Mondphase abzuwarten. Also alles zwischen Halbmond und Vollmond. Allerdings werden da dann auch weniger Sterne sichtbar sein. Die Milchstrasse werdet ihr nur bei Neumond oder Leermond gut aufnehmen können.

Man kann auch bei der Aufnahme für den Vordergrund eine längere Belichtungszeit wählen. Z.B. ein bis zwei Minuten. Das hängt auch etwas davon ab, wie ihr eure Ergebnisse später kombiniert. Darum geht es im zweiten Teil.

Noch etwas zur Vorbereitung: Neben der Mondphase ist natürlich die Lichtverschmutzung ein Störfaktor. In der Nähe von Städten wird man nur wenig bis überhaupt kein Sterne aufnehmen können. Am Ende des zweiten Teils findet sich ein Link zu einer Karte der Lichtverschmutzung.

Das kostenlose Programm Stellarium ist auch ein sehr gutes Hilfsmittel, einen nächtlichen Ausflug vorzubereiten. Es ist praktisch ein Planetarium für den Computer. Ihr könnt das Datum in die Zukunft verschieben und so sehen, wie und wo der Mond aufgeht und um welche Uhrzeit er wo steht.

Die Milchstrasse sieht man im Winter bei uns auf der Nordhalbkugel kaum. Auch dies könnt ihr gut in Stellarium verfolgen. Im Sommer ist die Milchstrasse wesentlich besser zu sehen da dann (bei uns) die Nachtseite der Erde zum Zentrum der Milchstrasse zeigt. Im Winter jedoch zum äußeren Rand.

In meinem nächsten Beitrag zeige ich, wie man die gewonnenen Daten verarbeitet.


NEU: Workshop „Landschaft mit Sternenhimmel“ im Schwarzwald. Hier gibt es mehr Infos

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