Landschaft mit Sternenhimmel 3

In Teil 1 zum Thema „Landschaft mit Sternenhimmel“ habe ich die Grundlagen zu diesem Thema beschrieben. Im zweiten Teil ging es dann in die Umsetzung inkl. der Bearbeitung in einem Bildbearbeitungsprogramm.

In den ersten beiden Teilen ging es darum, den Sternenhimmel mit einer Landschaft im Vordergrund abzubilden. Also die Sterne möglichst punktförmig zu zeigen, so wie wir die Sterne mit den Augen wahrnehmen.

Im ersten Teil hatte ich schon die Erdrotation angesprochen – das sich die Erde ja um die eigene Achse dreht und daher die Sterne jedesmal an einer anderen Stelle stehen. Zwar minimal verschoben, aber je nach Belichtungszeit und Himmelsrichtung mehr oder weniger strichförmig erscheinen.

Das bringt uns auf eine andere Variante, den Sternenhimmel zu fotografieren: Sternstrichspuren. Nehmen wir die Tatsache als ein gestalterisches Element, können wir so sehr kreative Aufnahmen erzeugen.

D.h. wir nehmen bei dieser Art den Sternenhimmel abzubilden die Erdrotation ganz bewusst in Kauf. Eine astronomische Nachführung o.ä. braucht es hier nicht – im Gegenteil: diese wäre ja kontraproduktiv.

Sternstrichspuren Richtung Norden
Sternstrichspuren Richtung Norden

Wenn man nun die Kamera Richtung Norden (auf der Nordhalbkugel der Erde) ausrichtet, also Richtung dem Polarstern, drehen sich alle Sterne scheinbar um diesen Polarstern.  Damit die Sterne wirklich strichförmig erscheinen, sollte man hier also sehr lange Belichtungszeiten wählen. Der Vorteil ist, dass man nun mit der ISO (Empfindlichkeit) ziemlich runter gehen kann (da man ja länger belichtet).

Am besten macht man zuerst eine Testaufnahmen mit ca. vier Minuten Belichtungszeit und ISO 200 – 400). Ich würde empfehlen, ggf. die ISO (Empfindlichkeit) zu regulieren und nicht die Belichtungszeit. Man kann natürlich auch mit kürzerer Belichtungszeit und höherer ISO fotografieren machen. In Summe sollte man einfach mind. 60 Minuten am Stück Bildmaterial haben.

Das Bild oben entstand aus 11 Einzelaufnahmen á vier Minuten bei ISO 50 (ja, ISO 50!) und Blende 4.5. Also insgesamt sind es ca. 45 Minuten Belichtungszeit.

Wichtig ist hier wirklich die interne Rauschreduzierung auszuschalten sonst macht die Kamera nach der Aufnahme eine Pause die so lange dauert, wie die Belichtungszeit. Das ist der interne Dunkelbildabzug.

Praktisch ist auch ein Intervall-Auslöser. Bei einem Intervall-Auslöser kann man die Belichtungsdauer, die Anzahl der Aufnahmen und die Pausen zwischen den einzelnen Aufnahmen einstellen. Die Kamera stellt man dazu in den Bulb-Modus. Ansonsten muss man ständig neben der Kamera stehen und den Auslöser betätigen. Manche Kameras (wie z.B. Pentax) haben eine Intervall-Funktion im Menü-Programm. Bei Canon kann man eine solche Funktion mit Hilfe von Magic Latern aufspielen (im Standard nicht vorhanden).

Damit am Ende wirklich ein Sternstrichspurenbild dabei heraus kommt, sollte man mind. etwa 10 Aufnahmen á vier Minuten machen (oder 80 Bilder á 30 sec.). Sonst sieht es nur aus, wie unscharfe Sterne. Zwischen den Aufnahmen dürfen keine zu langen Pausen sein, sonst erscheinen diese als Lücken. Also max. 5 – 10 sec. (je nach Brennweite). Ihr sollte also, wie auch bei der anderen Variante, die interne Rauschreduzierung ausschalten – sonst dauert das Speichern der Aufnahme so lange, wie die Aufnahme selbst!

Nachdem man diese Aufnahmen gemacht hat, geht es nach Hause an den Computer.

Alle Aufnahmen werden in einem Bildbearbeitungsprogramm als Ebenen übereinandergelegt
Alle Aufnahmen werden in einem Bildbearbeitungsprogramm als Ebenen übereinandergelegt

In einem Bildbearbeitungsprogramm wie Gimp oder Adobe Photoshop legt man nun diese Einzelaufnahmen als Ebenen übereinander. In Adobe Photoshop stellt man den Ebenenmodus der einzelnen Aufnahmen auf „Aufhellen“. Dadurch werden nur die Lichter addiert.

Wer weder mit Gimp oder Photoshop arbeiten möchte, für den gibt es ein kostenloses Programm „Startrails Software„. Auch dieses Programm verrechnet die Einzelaufnahmen zu einem Gesamtbild. Ich habe es aber selbst noch nicht getestet – vielleicht kann man jemand in einem Kommentar einen Erfahrungsbericht abgeben.

Ein weiteres kostenloses Programm, das mir die Tage genannt wurde, ist StarStaX von Markus Enzweiler. Mit diesem kann man wohl auch solche „Kometen-Startrails erstellen – aber das werde ich mal noch testen.

Ein kleiner Tipp zum Schluss: Wenn man die Deckkraft der Ebenen nach oben hin reduziert (also erste Ebene 100% Deckkraft, zweite Ebene 90% Deckkraft, usw.) erhält man sogenannte „Kometen“ – die Sternstrichspuren laufen aus, wie ein Schweif.

Zusammenfassend:

  • Kamera auf das Stativ
  • Kamera Richtung Polarstern ausrichten (anderere Richtungen gehen natürlich auch)
  • ISO 50 – 200
  • offene Blende (z.B. 4.5)
  • Kamera in Bulb-Modus
  • Shake-Reduction am Objektiv ausschalten
  • Interne Rauschreduktion ausschalten
  • Intervallauslöser anschließen
  • Testbelichtung mit 4 Minuten
  •  Intervall-Auslöser programmieren, starten
  • Ggf. bei einen oder mehreren Aufnahmen den Vordergrund ausleuchten
  • Spazieren gehen, ins Auto setzen oder was auch immer

Neu: Workshop Landschaft mit Sternenhimmel – hier gibt es mehr Infos.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte die kleine Rechenaufgabe lösen... * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.