Konzeptuelle Fotografie

Vielleicht hat der eine oder andere meine Serie „Das trunkene Schiff“ verfolgt. In dieser Serie versuche ich einige Gedanken zur Belle Époque bildlich umzusetzen. Als Hilfestellung habe ich mir hierzu das Gedicht „Das trunkene Schiff“ (Le Bateau ivre) von Arthur Rimbaud ausgesucht.

Diesen Bereich der Fotografie nennt man auch künstlerisch-konzeptuelle Fotografie. Häufig liest man auch den Begriff „konzeptionelle Fotografie“ (was meiner Meinung nach aber falsch ist bzw. nicht wirklich die Idee der konzeptuellen Fotografie aufgreift). Die Konzeptkunst ist ein Zweig der Kunst, der sich in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelte. Neben der Malerei hält die Konzeptkunst auch in der Fotografie Einzug. Frühe Vorbilder sind z.B. der amerikanische Fotograf Edward Ruscha, der in zahlreichen Polaroids versuchte, die Poesie des Alltags abzubilden.

In der Konzeptkunst hat die Ausführung des Kunstwerks eine untergeordnete Bedeutung. Im Vordergrund stehen die Idee und das Konzept und werden für die künstlerische Arbeit gleichwertig erachtet. Z.T. gibt es sogar überhaupt kein fertiges Werk sondern nur Ideen, niedergeschriebene Gedanken und Skizzen.

Ziele sind u.a. die Einbeziehung des Betrachters, das Hinterfragen gewohnter Sichtweisen, Zusammenhänge und Begriffe. Dabei wird häufig mit Kontexten, Bedeutungen und Assoziationen gearbeitet.

Aus der Serie "The forgotten Bridge" von Angela Waldraff
Aus der Serie „The forgotten bride“ von Angela Waldraff

Häufig werden Arbeiten der konzeptuellen Fotografie als Serien angelegt (muss aber nicht sein). Bekanntes Beispiel sind Bernd und Hilla Becher die über viele Jahre eine Serie von Industriedenkmälern erstellten.

Warum

Natürlich muss man es nicht begründen, wenn man in diese Richtung etwas machen möchte. Es gibt ja unterschiedlichste Bereiche der Fotografie: Produktfotografie, Beauty-Fotografie, Industrie-/Architekturfotografie, Werbefotografie und mehr. Das sind sicher alles auch sehr interessante Bereiche. Doch ist es doch besonders interessant, einmal in den Bereich der konzeptuellen Fotografie hinein zu schnuppern. Auch wenn man dieses Genre nicht durchgehend verfolgen möchte, kann eine Auseinandersetzung damit doch helfen, einen eigenen Bildstil zu entwickeln.

Sich der konzeptuelle Fotografie nähern

Gerade das Beispiel Bernd und Hilla Becher zeigt, dass die konzeptuelle Fotografie nicht zwingend ein Model benötigt. Es gibt sicher auch konzeptuelle Landschaftsfotografie. So könnte man sich z.B. als eine erste Aufgabe setzen, den Begriff „Leere“ abzubilden. Schnell kann daraus eine Serie entstehen: Das leere Zimmer, das leere Glas, der leere Kopf…

Ein nächster Schritt könnte sein, mit Assoziationen zu arbeiten. Assoziationen sind Verknüpfungen von Vorstellungen, Gedankenverbindungen.

Z.B. gehört zur Liebe die Farbe Rot. Der Apfel steht z.B. in der christlichen Welt für die Versuchung, die Verführung und die Vertreibung aus dem Paradies. Mit Farben assoziieren wir auch Geschmack. Wenn wir ein Gummibärchen aus der Tüte nehmen, erwarten wir schon aufgrund der Farbe einen bestimmten Geschmack.

Das trunkene Schiff
Das trunkene Schiff

 

Konzeptionelle Fotografie

Bemüht man die Suchmaschine mit dem Begriff „konzeptuelle Fotografie“ wirft diese automatisch auch Ergebnisse mit dem Begriff „konzeptionelle Fotografie“ aus. Oben habe ich bereits geschrieben, dass (für mein Empfinden) dies nicht das gleiche ist. Denn: Betrachtetet man die Ergebnisse der „Fotografen“ die in ihren Internetseiten den Begriff „Konzeptionelle Fotografie“ verwenden, dann trifft man sehr häufig auf „Photoshoper“. Nichts gegen deren Können im Bereich der Bildbearbeitung… Doch vermisse ich bei solchen oft das Konzept und die künstlerische Auseinandersetzung. Die Bildbearbeitung und das Ergebnis stehen dort ganz offensichtlich im Vordergrund. Es sind in der Regel auch Einzelbilder – keine Serien. Einzelbilder, die viele „Likes“ auf den diversen Plattformen erreichen. Sollte dies das persönliche Ziel sein, dann gut…. Aber künstlerischen Anspruch haben diese Bilder eher nicht und werden wohl kaum den Weg in irgendein Museum schaffen.

Im nächsten Jahr werde ich mit meiner Partnerin Angela Waldraff einen Workshop zur konzeptuellen Fotografie anbieten. Wir sind schon dabei, den Inhalt zu strukturieren. Wahrscheinlich wird er über zwei Tage gehen (Wochenende) da es eben auch um die Ausarbeitung einer Idee, des Konzepts und der Planung geht. Am zweiten Tag wird es dann an die Umsetzung gehen. Dabei prüfen wir auch die technischen Möglichkeiten, die zur Verfügung stehen, um die Bildidee umzusetzen.

Falls ihr euch dafür interessiert, solltet ihr unbedingt den Newsletter abonnieren (rechts).

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