Im hohen Norden – Dänemark

„Leonie, wo möchtest du denn dieses Jahr in den Sommerurlaub?“. Mit dieser belanglosen Frage, an meine 10jährige Tochter gerichtet, begann mein Erlebnis Dänemark.

„Nach Dänemark – Lakritze“ war die Antwort. Was Dänemark genau mit Lakritze zu tun hat, weiß ich zwar immer noch nicht. Aber in den Norden wollte ich sowieso mal. Meine bisherigen Reisen gingen immer in den Süden. Die üblichen Reiseziele, wenn man im Süden Deutschlands lebt: Italien, Frankreich, Spanien, Griechenland, Türkei.

Australien stand auch schon einmal auf dem Programm. Also war es jetzt Zeit, einmal in den Norden zu reisen. Eigentlich hatte ich irgendetwas Richtung Schottland oder Wales für den Sommer geplant. Aber warum nicht nach Dänemark?

Karte Dänemark. Rot die besuchten Ziele
Karte Dänemark. Rot die besuchten Ziele

Eine Unterkunft war recht schnell über das Internet gefunden. Ebeltoft, an der Ostseeküste, also das mittlere Jütland, war das Ziel. Auch wenn es vom Süden Deutschlands eine enorme Entfernung ist, war klar, dass ich mit dem Auto fahre. Ich wollte schon etwas vom Land sehen und flexibel sein. Mit einer Übernachtung bei Hannover ließ sich die Strecke von rund 1.200 Kilometer dann ganz gut bewältigen.

Dänemark, gerade der Norden, ist bekannt wegen der besonderen Lichtstimmungen. Bekannt sind die Skagen-Maler, die es wegen dieser Lichtstimmung, vor allem gegen Ende des 19. Jhd., an das nördliche Ende Dänemarks zog.

Fotografie wird auch oft als Lichtmalerei umschrieben. Gerade in der Landschaftsfotografie sucht man besondere Lichtstimmungen. Ich denke in dieser Woche konnte ich ein paar besondere Stimmungen einfangen.

Sonnenaufgang bei Ebeltoft
Sonnenaufgang bei Ebeltoft

1. Tag

Wie gesagt, hatte ich eine Übernachtung bei Hannover. Am späten Nachmittag, dann auf dem Campingplatz angekommen, blieb nur noch wenig Zeit, die nähere Umgebung zu erkunden. Ebeltoft ist ein kleiner Ort an der Ostseeküste – ungefähr in der Mitte der Küstenlinie. Vorab hatte ich mir schon ein paar Fotospots heraus gesucht. Wichtig war ja auch, dass für meine 10jährige Tochter etwas dabei war.

Auf einem Campingplatz hatten wir eine kleine Hütte gemietet die, da es hier bereits Nachsaison war, recht günstig war – etwa 400 Euro für eine Woche. Wenn ich denke was Bekannte für minderen Komfort in Italien auf einem Campingplatz zur gleichen Zeit bezahlten…

Von der Hütte waren es nur fünf Minuten hinunter ans Meer. Und die Küste bot auch einige Fotomotive. War klar, dass ich das gleich auskundschaften musste… *grins*

Was mir als erstes auffiel, ist der offensichtliche, gesunde Nationalstolz – etwas was ich in Deutschland manchmal vermisse. An jeder Ecke hängt eine dänische Nationalflagge und es gibt kaum ein Haus, das keinen Fahnenmast hat.

Dänische Flagge
Dänische Flagge

Ebeltoft war eigentlich ein Zufallsgriff. Wie sich aber für mich nach und nach zeigte, ein ganz glücklicher. Zum einen liegt der Ort am Meer und zum anderen ziemlich in der Mitte der Nord-Süd Achse. Somit waren einige Ziele als Tagesausflug in realistischer Reichweite. Unterwegs wurde noch etwas Literatur besorgt, so waren wir optimal gerüstet für die Woche.

Dänemark ist vor allem für viele Deutsche aus dem Norden Deutschlands ein beliebtes Urlaubsziel. Die Gegend um Ebeltoft scheint hier aber nicht so massiv „überschwemmt“.

Danisch Design Fahrrad
Danisch Design Fahrrad

Ansonsten ist Dänemark bei uns auch wegen des Designs und in Bezug auf Qualität bekannt. Bang & Olufsen kennt wohl jeder, der sich mit Hifi-Anlagen befasst. Während andere Hersteller mit irgendwelchem Schnick-Schnack werben, ist Bang & Olufsen stolz darauf, für einen Fernseher eine Haltbarkeit von 20 Jahren zu geben.

2. Tag

Am zweiten Tag ging es erst noch einmal nach Ebeltoft. Dort liegt am Land die Fregatte Jylland. Das historische Holzschiff ist mit 71 Meter das längste erhaltene Schiff dieser Art. Die Fregatte wurde 1856 bis 1860 in Kopenhagen gebaut. 1864 nahm sie im deutsch-dänischen Seekrieg bei Helgoland teil. Die Fregatte konnte vor der Verschrottung gerettet werden, wurde in ein Trockendock gebracht und als Museumsschiff ausgebaut.

Auf der Fregatte Jylland
Auf der Fregatte Jylland

Danach ging es endlich ans Meer. 30 Kilometer nördlich von Ebeltoft liegt die kleine Stadt Grenå mit einem sehr schönen Sandstrand. Grenå ist der geografische Mittelpunkt Dänemarks. Viele Urlauber zieht es wegen des Kattegatcentret hier her. In dem kann man viele Fische, auch Haie, in einem Tunnel von unten bestaunen. Da wir aber zu Hause in Konstanz mit dem Sealife etwas ähnliches haben, konnten wir das auslassen. Südlich von Grenå zieht sich ein schöner Strand hin. Erste Fotomotive am Meer…

Freudensprung
Freudensprung

Eigentlich auf dem Rückweg nach Ebeltoft lag noch das Kloster Sostrup Slot auf dem Weg. Eine sehr schöne Anlage. Das Hauptgebäude stammt aus dem 16. Jhd. Nach einem Spaziergang um das Gebäude zog es mich noch einmal Richtung Küste. Für uns „Landeier“ sind ja Leuchttürme magisch anziehend. Der nächste lag laut Karte nur wenige Kilometer entfernt an der Küste. Die Überraschung war groß als ich sah, dass dieser praktisch von einem landwirtschaftlichen Betrieb umgeben ist. Also nicht das erwartete Fotomotiv… Trotzdem, ein kleiner Spaziergang an der Küste musste sein. Dänemark, vor allem der nördlich Teil, ist bekannt für die speziellen Lichtstimmungen.

Sostrup Slot
Sostrup Slot

Auch auffallend bei den Fahrten über Land war die Menge an Kornfeldern. Laut Reiseführer ist die Gegend um Aarhus für die Kopenhagener Bauernland. Recht haben sie. Aber irgendwo muss ja das Korn für das Mehl herkommen, aus dem dann das berühmte Smørrebrød entsteht.

An der Küste sieht man häufig Angler – vor allem Deutsche. Das Fischen von der Küste ist grundsätzlich erlaubt, man muss nur einen Angelschein kaufen, der nicht besonders teuer ist.

An der Küste bei Grenå
An der Küste bei Grenå

Damit ging ein erlebnisreicher Tag mit schönen Eindrücken aus dem Jütland zu Ende.

3. Tag

Ebeltoft liegt am Rande des Nationalparks Mols Bjerge. Am südlichsten Punkt der Halbinsel Helgenæs steht der dickbäuchige Leuchtturm Sletterhage Fyr. Am Vortag hatten wir erfahren, dass man hier gut Schweinswale beobachten kann.

Leuchtturm Sletterhage Fyr
Leuchtturm Sletterhage Fyr

Von den Schweinswalen sieht man eigentlich nur die Rückenflosse, wenn sie kurz auftauchen. Sieht man Möwen über dem Meer, sind die Schweinswale oft nicht weit entfernt. Am Strand fanden wir dann einen verendeten Seehund. Keine Ahnung, weshalb er verendete. Jedenfalls erinnerte ich mich an ein Video, das ich vor kurzem gesehen hatte. Es zeigte eine einsame Insel irgendwo im Pazifik, weit weg von jeglicher Zivilisation. Und trotzdem verenden auf der Insel Seevögel an Plastikmüll, der im Meer treibt.

Die Halbinsel Helgenæs ist sicher kein typischer Badeort. So kann man davon ausgehen, dass der Müll, den ich am Ufer fand, vom Meer an den Strand getrieben wurde. Traurig.

Müll Collage
Müll Collage

Den Nachmittag erkundeten wir Aarhus. Aarhus ist mit rd. 260.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Dänemarks. Die Stadt wurde etwa um 770 gegründet und ist damit eine der ältesten Städte Europas. Heute ist Aarhus vor allem eine moderne Universitätsstadt in der sich etwa 40.000 Studenten aufhalten.

Aarhus
Aarhus – altes und modernes vertragen sich gut

Am späten Abend, nachdem es richtig dunkel war, ging ich noch an den Strand. Ich hatte gehofft, hier noch richtig schöne Aufnahmen zum Thema „Landschaft mit Sternenhimmel“ machen zu können. Leider war die Mondphase nicht günstig – es war gerade Vollmond. Aber auch das Mondlicht kann für eine besondere Stimmung sorgen. Als ich so mit meinen Langzeitbelichtungen beschäftigt war, sah ich ein grünliches Licht im Wasser. Ich wähnte mich zuerst im James Bond Film und erwartete jetzt gleich den Hauptdarsteller aus dem Wasser steigen. Statt dessen auf dänisch die Frage, ob ich angle. Offensichtlich gibt es Fische, die sich Nachts besser mit der Harpune jagen lassen. Egal – mir brachte die Ausleuchtung des Schnorchlers noch einmal eine interessante Lichtstimmung ins Bild.

 

Vollmond am Meer
Vollmond am Meer

4. Tag

Die Augen schweifen über die Landkarte auf der Suche nach besonderen Landmarken. Da Ebeltoft, mein Ausgangspunkt, nicht weit von der geografischen Mitte Dänemarks entfernt lag, war ein Ausflug an die Nordspitze nicht abwegig. Gut, 250 Kilometer sind kein Katzensprung. Aber doch in drei Stunden Fahrzeit zu schaffen. Und nachdem ich schon am südlichsten Punkt Australiens stand – wieso nicht auch am nördlichsten Punkt Dänemarks?

Nördlich von Skagen, der nördlichsten Stadt Dänemarks, liegt die Landspitze Grenen. Hier fließen Kattegat und Skagerrak (Ost- und Nordsee) deutlich erkennbar zusammen. Starke Strömungen und Wellen, die aufeinander klatschen, prägen die Landspitze. Man muss nicht meinen, hier alleine zu sein. Vielleicht im Winter einmal. Aber jetzt, im Spätsommer, karren immer noch von Traktoren gezogenene Anhänger die Touristen über den Sandstrand zur Landspitze. Es war nicht einfach, hier kurz das Stativ aufzubauen, um ein paar Aufnahmen zu machen.

Grenen
Grenen

Das Gebiet um Grenen ist geprägt von Dünen. Die meisten wurden bepflanzt. Südlich von Grenen gibt es einige Wanderdünen. Eine der eindrucksvollsten ist Rubjerg Knud. 1900 wurde der Leuchtturm Rubjerg Fyr hinter einer nur wenige Meter hohen Sanddüne in Betrieb genommen. Nachdem der Sand den Leuchtturm immer wieder einsandete, versuchte man mit Büschen den Sand zu bremsen. Dadurch baute sich die Sanddüne allerdings in die Höhe auf – letztendlich konnte der Landverlust dadurch nicht gebremst werden. Nachdem das Feuer von See nicht mehr sichtbar war, wurde der Betrieb 1968 eingestellt. Ein Beispiel dafür, wie der Eingriff des Menschen in die Naturgewalten deutlich in die Hose gehen kann…

Rubjerg Knud
Rubjerg Knud

Auf dem Rückweg Richtung Ebeltoft lag dann noch Lindholm Høje – ein Wikinger Gräberfeld bei der Stadt Aalborg. O.k. das war dann ein Mamutprogramm – aber wenn es schon auf dem Weg liegt. Es war interessant, die Kultur der Bestattungen auf den Tafeln zu lesen. Viele Gräber sind in der Form eines großen Schiffes angelegt. In der Mitte wurde der Leichnam aufgebart und verbrannt. Frauengräber haben eine rundliche Form und die Gräber von Kriegern sind durch einen Stein in der Mitte markiert. Neben dem Gräberfeld gibt es noch ein Museum, in dem die gefundenen Grabbeilagen ausgestellt sind. Leider hatte es schon geschlossen. Sehr praktisch gedacht ist die Haltung von Ziegen auf dem Feld – dadurch spart man sich das Mähen der Wiese… *lach*

Lindholm Høje
Lindholm Høje

5. Tag

Nach dem vollen Programm vom Vortag war ich ziemlich k.o. Insofern störte es nicht, dass das Wetter einmal etwas schlechter war. Kein Regen, aber etwas kühler und bedeckt war es – also nicht so toll zum Fotografieren.

Ebeltoft Rathaus
Das kleinste Rathaus Dänemarks

So verbrachten wir noch einmal einen gemütlichen Tag in Ebeltoft. Hier findet man übrigens auch das kleinste Rathaus Dänemarks, das heute als Museum eingerichtet ist. Ansonsten hat der Ort viele kleine alte Fachwerkhäuser mit kleinen Geschäften und Lokalen mit schöner Hinterhof-Atmosphäre.

Ebeltoft Fußgängerzone
Ebeltoft Fußgängerzone

 

6. Tag

Auch am sechsten Tag war es noch einmal bedeckt weshalb wir uns einen größeren Ausflug sparten. Stattdessen erkundeten wir noch einmal den Nationalpark Mols Bjerge. Unter anderem findet man dort mehrere Hünengräber. Unglaublich, was die Menschen damals ohne Hilfsmittel für ein Grab bewerkstelltigt haben.

Hünengrab
Hünengrab im Nationalparks Mols Bjerge

Auffallend in Dänemark sind die kleinen Regale vor den Häusern. Dort kann man in der Regel Gemüse, Marmeladen oder anderes selbstgemachtes kaufen. Manchmal auch altes gebrauchtes, das ist dann als „Loppemarked“ ausgeschrieben. Die Dänen scheinen wirklich ein sehr kreatives Volk zu sein…

Danish Design
Danish Design

7. Tag

Der Wetterbericht war gut für diesen Tag. Also gab es noch einmal einen größeren Ausflug. Diesmal ging es quer Richtung Westen an die Nordseeküste. Südlich von Ringkøbing findet man den Leuchtturm Lyngvig Fyr. Der 38 Meter hohe Leuchtturm wurde 1906 erbaut und kann bestiegen werden. Es ist auch der höchste Leuchtturm Dänemarks. Eine Wendeltreppe führt auf die Plattform von der man eine schöne Aussicht über die Dünenlandschaft un den Ringkøbing Fjord.

Blick vom Lyngvig FyrBlick vom Lyngvig Fyr
Blick vom Lyngvig Fyr

Der Strand hier eignet sich hervorragend zum baden. Auch wenn das Wasser etwas frisch war – ein Sprung ins kalte Nass musste sein.

Ansonsten sieht man dieser Gegend an, dass sie stark vom Tourismus geprägt ist. Ganz anders als das, was man auf der Ostseeseite sieht. Griechische, Italienische und Deutsche Lokale…

Lyngvig Fyr
Lyngvig Fyr

Wir besuchten natürlich ein typisches Fischlokal, um ein Schollenfilet aus der Nordsee zu genießen. Dazu ein kühles Alster und parallel die Fischer bei ihrer Arbeit im Hafen beobachten. So kann man den Tag genießen…

Wendeltreppe Lyngvig Fyr
Wendeltreppe Lyngvig Fyr

Am Abend, auf dem Rückweg zur Unterkunft, gab es dann noch einen schönen Sonnenuntergang in der Ebeltoft Vig. Klassisch lag noch ein Boot in der Linie des Sonnenuntergangs so dass das Motiv schnell gefunden war.

Sunset Ebeltoft
Sunset Ebeltoft

 

Zeit abzureisen

Am letzten Tag wollte ich früh aufstehen, um die blaue Stunde vor dem Sonnenaufgang mitzunehmen. Ich hatte mir extra am Vortrag den Wecker am Handy auf 5 Uhr gestellt. Dummerweise hatte ich vergessen, ihn zu aktivieren…

Zum Glück wachte ich gegen 6 Uhr von selbst auf. Die Sonne war zwar schon gerade aufgegangen. Aber ich sprang schnell in die Klamotten und war auch gleich am Strand. So konnte ich wenigstens noch ein paar Aufnahmen von der goldenen Stunde mitnehmen.

Sunrise Ebeltoft
Sunrise Ebeltoft

Eine sehr schöne, wenn auch kurze Zeit, in Dänemark ging zu Ende. Aber dafür wurden  ein paar neue Träume geboren. Wer weiß, vielleicht sieht man sich bald wieder…

„Der Augenblick ist jenes Zweideutige,
darin Zeit und Ewigkeit einander berühren.“

Søren Kierkegaard

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