Graufilter mal ganz allgemein

Heute habe ich endlich mein Video auf Youtube zum Thema Graufilter hochgeladen. Man was war das ein Akt…

Entweder wurden wir mitten in der Aufnahme unterbrochen, dann war es mal zu dunkel, dann wieder was vergessen zu erwähnen, und, und, und. Aber es war mir auch wichtig, dass gerade dieses Video gut und informativ ist.

Auch wenn Videos eine gute Möglichkeit sind, etwas zu zeigen – ich mag immer noch das Geschriebene. Da kann man ergänzen, nachbessern und verlinken. In meinem Blog hatte ich ja schon einiges über Graufilter geschrieben. Wie z.B. der Vergleich Hitech und Haida oder die Frage nach der Belichtungszeit bei Langzeitbelichtung. Aber so einen Einstiegs-Blog zu diesem Thema hatte ich noch nicht. Und ich denke, dass das jetzt zu dem Video ganz gut passt.

Graufilter zu was

Wie ich in meinem Video gezeigt habe, schluckt der Graufilter Licht. Abhängig von der Dichte des Graufilters mehr oder weniger. Damit können wir in der Fotografie zwei Parameter beeinflussen, die ggf. wesentlich das Bildergebnis beeinflussen: Die Belichtungszeit und die Blende.

Hauptsächlich wird der Graufilter eben dazu eingesetzt, die Belichtungszeit zu verlängern. Typische Situationen sind fliessende Gewässer oder Wasserfälle. „Eingefrorenes“ Wasser (mit kurzer Belichtungszeit) kann auch mal sehr schön sein. Aber mit einer längeren Belichtungszeit kann man tolle Effekte erzielen.

Schwarwald Wasserfall
Schwarwald Wasserfall

Einsteiger werden Graufilter als Schraubfilter verwenden. Das ist vollkommen o.k. und ausreichend. Allerdings sollte man nicht zu sehr sparen. Denn billige Graufilter haben oft einen unschönen Farbstich, der selbst in der RAW-Entwicklung kaum zu korrigieren ist.

Gute Filter sind auch vergütet – d.h. sie verhindern Reflektionen, die dann z.B. zwischen Filter und der Frontlinse entstehen können. In meinem Video hatte ich schon das 3er Set von Haida empfohlen. Hier hat man auch die wichtigsten Dichtewerte in einem Set: 0.9, 1.8 und 3.0.

Wenn ihr Graufilter kauft: Kauft diese nach dem größten Objektiv-Durchmesser. Auch wenn ihr im Moment noch kein Ultraweitwinkel-Objektiv oder ein lichtstarkes Objektiv habt (welche auch einen großen Objektivdurchmesser haben) – vielleicht steht es für irgendwann auf der Wunschliste. Ich empfehle min. 77 mm besser noch 82mm Objektivdurchmesser – Also z.B. dieses Neutral Graufilter Set bestehend aus ND8, ND64, ND1000 Filtern 77 mm.

Mit Step-Up-Ringen kann man dann ggf. den großen Filter auf einen kleineren Filter-Durchmesser adaptieren. Das ist wesentlich günstiger, als für jeden Filterdurchmesser Filter zu kaufen.

Vario-Graufilter – nicht zu empfehlen

Gerne werden im Fachgeschäft Vario-Graufilter verkauft. Das hat für den Fachhandel den Vorteil, dass man keine große Auswahl an Lager halten muss. Diese Filter sind für die Fotografie jedoch nicht gut geeignet (bei Video sieht das anders aus).

Aus zwei Gründen: Der Vario-Graufilter ist im Prinzip ein Polfilter. Damit hat man einen Polfilter-Effekt, auch wenn man ihn gar nicht möchte. Der Polfilter kann z.B. auch Spiegelungen nehmen. Gerade wenn man z.B. an einem See fotografiert, möchte man gerade diese Spiegelung einfangen.

Der zweite Grund, der gegen den Vario-Graufilter spricht ist, dass die eingestellte Dichte nicht messbar ist bzw. nicht umgerechnet werden kann. Hat man einen Graufilter in einer bestimmten Dichte, ist der Verlängerungsfaktor bekannt und es kann einfach die verlängerte Belichtungszeit errechnet werden. Gerade bei schlechten Lichtverhältnissen, wo man z.B. mit sehr langen Belichtungszeiten (mehrere Minuten) fotografieren möchte, funktioniert das mit dem Belichtungsmesser der Kamera nicht!

Die Anwendung

Wenn man mit längeren Belichtungszeiten fotografiert, muss die Kamera auf das Stativ (Ausnahmen lasse ich mal weg). Aber hier, in diesem Fall, bei der Landschaftsfotografie mit Graufilter stimmt diese Aussage.

Bei den leichten Graufiltern wie 0.9 können wir (in der Regel) den Filter einfach vorne aufschrauben und dann z.B. mit der Zeitautomatik fotografieren. Also einfach die gewünschte Blende wählen und die Belichtungszeit durch den Belichtungsmesser bestimmen lassen. Ggf. können wir noch mit der Plus- oder Minus-Korrektur das Ergebnis anpassen.

Bei dunkleren Filtern wie dem ND 1.8 oder ND 3.0 wird das oft nicht mehr funktionieren. Oft misst der Belichtungsmesser dann falsch. Dann muss man die Belichtungszeit ausrechnen. Abhängig vom Dichtewert hat der Filter einen Verlängerungsfaktor. Der ND 0.9 hat einen Verlängerfaktor von x8 – oder anders ausgedrückt drei Blendenstufen. D.h. man muss dreimal so lange belichten wie ohne Filter, damit die gleiche Menge Licht auf den Sensor kommt.

Beispiel: Ohne Filter misst man eine Belichtungszeit von 1/25 sec.

1/25 – 1/15 – 1/8 – 1/4  sec.

O.k. das ist manchmal nicht ganz einfach, das schnell auszurechnen. Gerade auch, wenn man dann noch verschiedene Filter zur Auswahl hat. Doch dazu gibt es kleine Helferlein.

Eine Möglichkeit ist, sich für typische Belichtungszeiten ohne Filter eine Tabelle anzulegen und diese auszudrucken und auf das Filterdöschen zu kleben. Unten verlinke ich euch eine PDF-Datei zum ausdrucken für die Filter ND 0.9 / ND 1.8 und ND3.0 – also für das Filterset. In der linken Spalte ist der gemessene Wert ohne Filter. In der rechten Spalte die Belichtungszeit mit dem jeweiligen Filter.

Eine andere Möglichkeit ist die App ND Filter Calc. Hier könnt ihr auf der linken Seite den Graufilter auswählen und auf der rechten Seite die Belichtungszeit, die ihr z.B. über die Zeitautomatik ohne Filter ermittelt habt. Oben wird euch dann die Belichtungszeit mit Filter angezeigt.

Vor der Aufnahme

Der Filter wird jetzt also auf das Objektiv vorne aufgeschraubt. Zuvor habt ihr noch einmal fokussiert. Dann solltet ihr den Autofokus ausschalten. Wenn so wenig Licht auf den Sensor kommt, haben die Sensoren die für die Schärfemessung zuständig sind, z.T. Schwierigkeiten.

Auf dem Stativ braucht es auch kein Shake-Reduction – falls das Objektiv oder die Kamera das bietet. Also auch das ausschalten.

Jetzt geht ihr in den manuellen Modus und wählt die Blende, die ihr zuvor hattet und die errechnete Belichtungszeit. Also um bei dem Beispiel oben zu bleiben – 1/4 sec.

Bei längeren Belichtungszeiten besteht immer etwas die Gefahr, dass durch das Betätigen des Auslösers Verwackelungsunschärfe auf das Bild kommt. Da wähle ich einfach Selbstauslöser zwei Sekunden.

Bulb-Modus

Bei den meisten Kameras kann man bis 30 Sekunden Belichtungszeit im manuellen Modus wählen. Geht es darüber hinaus, muss man in den Bulb-Modus wechseln. Bulb-Modus bedeutet, dass der Verschluss so lange geöffnet bleibt, wie ihr den Auslöser gedrückt haltet. Nun wäre es natürlich blöd, mit dem Finger eine Minute auf dem Auslöser zu bleiben (abgesehen davon, dass dies wieder Verwackelungsunschärfe mit sich bringen würde). Hier benötigt man dann einen Kabelauslöser. Einfache Kabelauslöser haben einen Druckknopf zum Auslösen den man auch feststellen kann. Es gibt aber auch programmierbare Kabelauslöser, in denen man die Belichtungszeit eingeben kann.

Was geht sonst?

Bei einigen Bildern hier im Blog zu fliessendem Wasser sieht man die längere Belichtungszeit. Wie lange man belichtet, das ist Geschmacksache. Doch: je länger man belichtet, umso mehr gehen auch wieder die Strukturen im Wasser verloren. Mir persönlich gefallen Belichtungszeiten von ein oder zwei Minuten dann nicht mehr.

Aber: Mit solchen langen Belichtungszeiten kann man wieder andere Effekte erzielen. Z.B. kann man ziehende Wolken sehr dynamisch abbilden. Oder Menschen „verschwinden“ lassen.

Mainau SchlussBei dem Bild oben habe ich 30 Sekunden belichtet. Während dessen sind sicher 20 Personen vor dem Schloss herum gelaufen. Durch die lange Belichtungszeit sind sie „verschwunden“. O.k., wenn jemand 30 sec. auf einer Bank sitzen bleibt, kann man auch nichts machen 🙂

Uhldingen Starkwind
Uhldingen Starkwind

Wen Wolken am Himmel sind und etwas Wind geht, kann man diese Bewegung mit langen Belichtungszeiten abbilden.

Falls Ihr Fragen habt – einfach die Kommentare unten nützen…

Hier noch die versprochene PDF-Datei zum ausdrucken.

Tipp

In meinen zweitägigen Workshop „Landschaftsfotografie am Wasser“ geht es vor allem auch um den Einsatz des Graufilters bei stehenden und fliessenden Gewässern.

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