Goodbye Pentax

Klar, ein etwas flaues Gefühl habe ich im Magen. Die Entscheidung fiel ja nun wirklich nicht leicht. Ob es die richtige Entscheidung war, weiß ich noch nicht. Vielleicht werde ich in einem Jahr schlauer sein.

Um was es geht? Nun, ich habe meine gesamte Pentax-Ausrüstung verkauft. In den letzten 2 1/2 Jahren kam da so einiges zusammen. Zwei Gehäuse, knapp 10 Objektive und ein paar Blitzgeräte.

Vielleicht erzähle ich etwas von meine Anfängen… Mit 16 Jahren bekam ich meine erste Kleinbildkamera geschenkt. Eine Voigtländer. Das erste Mal war ich mit Kleinbildfilm konftroniert. Schärfen- und Blendeneinstellung. Natürlich hatte sie schon einen Automatikmodus. Ich glaube den nützte ich wohl auch am meisten. Irgendwie war mir die Fotografie ins Blut gelegt. Mein Vater fotografierte leidenschaftlich. Schwarz/Weiß mit Filtern (orange, gelb usw.). Blumen, Landschaft, Familie usw.

Ihagee Exa Typ 4 meines Vaters - Baujahr ca. 1958
Ihagee Exa Typ 4 meines Vaters – Baujahr ca. 1958

Eine richtige Bedeutung erlangte bei mir die Fotografie erst mit dem Klettern. Ich war knapp 18 Jahre alt, als ich das Klettern für mich entdeckte. Es war die Zeit des Rotpunkt-Gedankens. Frei (ohne Zuhilfenahme künstlicher Hilfsmittel) gekletterte Routen wurden am Wandfuß mit einem roten Punkt gekennzeichnet. Schnell entwickelte ich mich. Kletterte im 5. dann im 6. und bald im 7. Schwierigkeitsgrad. Damals wurde das als „extrem“ bezeichnet…

Über das Klettern lernte ich dann Knut kennen. Er stammte aus Wiesbaden und er studierte in Tübingen Biologie. Bald wurde aus uns beiden eine Seilschaft und wir kletterten so oft wie möglich zusammen. Südfrankreich, Italien, die Alpen… An Zielen fehlte es nicht. Knut war ein ambitionierter fotografierender Sportkletterer.

Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich über ihn oder alleine auf Pentax kam. Jedenfalls war meine erste Spiegelreflexkamera eine Pentax. Die Marke gefiel mir. Klein, kompakt und nicht das Massenzeug wie Canon und Nikon (wobei damals Nikon sowieso in einer eigenen Preisliga spielte). Für das Klettern war diese Kamera als Begleiter ideal. Und dann hatte die Pentax noch eine Vorteile, die andere Kamerahersteller nicht hatten wie z.B. einstellbare Belichtungszeit bis 30 sec.

Wir fotografierten beide auf Diafilm und präsentierten unsere Erlebnisse zuletzt sehr professionell mit sechs Kodak Caroussell Projektoren auf einer 4,5 x 3 Meter großen Leinwand. Nach der Pentax Super A folgte die Pentax MX. Dann kam die Digitalfotografie langsam auf. Es war klar, dass die analoge Fotografie auf Film mehr oder weniger aussterben wird.

Pentax Super A - Meine erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera
Pentax Super A – Meine erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera

Die Präsentationstechnik, zur Präsentation der digitalen Bilder, hinkte hinterher. Vor allem waren die Geräte kaum bezahlbar. 10.000 DM – das kann man heute eigentlich 1:1 in Euro umrechnen, kostete ein entsprechender Projektor.

Dazu kamen einige private Veränderungen. Am Ende verkauften wir unser analoges Zeug. Die Kamera blieb die meiste Zeit im Schrank liegen. Eine kleine, digitale Ritsch-Ratsch wurde mein neuer Begleiter. Aber die Leidenschaft für die Fotografie hatte ich nie verloren.

Vor einigen Jahren wagte ich dann den Neu-Einstieg – diesmal in die Fotografie mit einer digitalen Spiegelreflexkamera. Aufgrund der Erfahrungen wurde es wieder eine Pentax. Diesmal die K-7, die damals noch recht neu war. Auf mich kamen viele neue Themen zu: digitaler Weißabgleich, Bildstabilisator, Sensorgrösse, Cropfaktor usw.

Der Sensor der Pentax K-7 hat eine Grösse von 23,7 x 15,7 mm was allgemein als APS-C Sensor bezeichnet wird. Es ist ein Format, das 1996 von Kodak entwickelt wurde. Übertragen auf das Kleinbildformat, wie man es vom früheren Kleinbildfilm kennt, ist dieses Format 1,5 – 1,6 (je nach Hersteller) kleiner.

Mittlerweile hatten die beiden Großen (Canon und Nikon) Kameras mit einer Sensorgrösse im Angebot, die dem früheren Kleinbildformat entspricht. Einen Sensor muss man sich vorstellen wie eine Fläche, die aus ganz, ganz vielen lichtempflindlichen Zellen bestellt. Nun kann sich jeder vorstellen, dass es besser ist, wenn ich die Zellen etwas größer mache und auf einer größeren Fläche verteile als wenn ich die Zellen ganz, ganz klein mache, um die gleiche Anzahl Zellen auf eine Fläche zu bekommen. Die Anzahl Zellen wird als Auflösung bezeichnet. Und die Auflösung ist die Kennzahl, mit der die Hersteller am meisten werben.

Mehr (kleine) Zellen auf kleinem Raum führen u.a. zum Bildrauschen.

Immer wieder kursierten Gerüchte, dass auch bald Pentax (Jahre nach Canon und Nikon) eine Kamera auf den Markt bringen würde, die einen Sensor in der Größe des Kleinbildformats hat. Ich verfolgte diese Gerüchte intensiv. Denn mein Ziel war es schon, wieder auf das Format zu kommen, welches ich früher beim Kleinbildfilm hatte. Ich wechselte schließlich auf die Pentax K-5, die wieder einen Sensor im APS-C Format hatte. Gleichzeitig versuchte ich mein Hobby nebenberuflich zu vermarkten. Dadurch stieg für mich die Relevanz dieses Themas.

Viele der Pentax-Gemeinde hofften auf den Herbst 2013. Um so ernüchterter waren viele, als die neue Pentax K-3 angekündigt wurde: Wieder eine Kamera mit einem Sensor im APS-C Format. Für mich war damit das Fass voll.

Ich habe lange nach einem passenden Vergleich gesucht. Und ich glaube, der folgende ist ganz passend… Man stelle sich vor, man möchte ein Auto kaufen. Zuerst hat man nur die Ambition, etwas in der Stadt und ab und zu auf der Landstrasse zu fahren. Vielleicht fährt man einmal im Jahr auf der Autobahn. Klar, brauche ich hier kein Auto mit 150 PS (110 kW). Nun verändert sich das Fahrverhalten: Man fährt 30% auf der Autobahn und 30% auf der Landstrasse und nur noch 40% in der Stadt. Gleichzeitig steht die Anschaffung eines neuen Fahrzeuges an. Ich denke die meisten Verbraucher denken so wie ich: Etwas mehr Leistung wäre gut, damit ich für diese Situationen entsprechend gerüstet bin.

Bei Pentax wird man diese Leistung nicht finden… Pentax bietet nur den übernächsten Schritt: Eine digitale Mittelformat-Kamera. Also was ganz großes (Preis knapp 10.000 Euro). Man stelle sich vor, Mercedes bietet nur die A-Klasse und dann als nächsten Schritt die E-Klasse, oder VW den Polo und als nächsten Schritt den Phateon.  Keine Modelle dazwischen…

Pentax K-7 - Meine erste DSLR
Pentax K-7 – Meine erste DSLR

Wie würde es einem gehen, der vom Polo (nur um diesen als Beispiel zu nennen) auf ein nächst grösseres Fahrzeug wechseln möchte? Nun, es bleibt nur ein Markenwechsel.

Genau so ging es mir.  Nun bin ich dabei den Wechsel zu vollziehen. Vom APS-C Format auf das Kleinbildformat und von Pentax auf einen anderen Hersteller. Die Marketingstrategie von Pentax kann ich (als Verbraucher) nur als Mismanagement bezeichnen. Pentax hat einen Kunden verloren – der andere Hersteller hat einen neuen Kunden gewonnen.

Ich möchte nun Pentax nicht generell schlecht reden. Die Produkte haben noch eine gewisse Stärke und ein Alleinstellungsmerkmal. Pentax ist z.B. der einzige Hersteller, der mit einer gewissen Wetterfestigkeit wirbt. Es gibt spezielle Objektive, die als WR (Weather resistant) bezeichnet und staub- und spritzwassergeschützt sind. Pentax hat den Bildstabilisator im Gehäuse integriert – dadurch sind die Objektive leichter und günstiger. Pentax DSLR-Kameras gehören zu den kompaktesten DSLR-Kameras. Die Bedienung ist einmalig intuitiv.

Wenn mir nun aber ein anderer Aspekt wichtiger ist, als die genannten Vorteile, dann nützen diese ganzen Alleinstellungsmerkmale nichts. Vielleicht komme ich eines Tages auf Pentax zurück. Wenn ich dann wieder mehr in der Stadt fahre und das Fahren auf der Autobahn eine untergeordnete Rolle spielt.

Hier meine subjektive Zusammenfassung:

Pentax

+ Weather resistant (WR) Objektive und Gehäuse
+ Klein und kompakt
+ Intuitive Bedienung
+ Bildstabilisator im Gehäuse (leichtere und günstigere Objektive)

– Kein Vollformatsensor im Angebot
– Bildrauschen bei hohen ISO-Werten (bedingt durch APSC-Sensor)
– Kein TTL-fähiges Blitzsystem zum entfesselten Blitzen (Funktrigger/-empfänger)
– GPS nur als Aufsatz (zum Aufstecken auf den Blitzschuh)
– Kein remote Shutting (Aufnahme mit sofortigem Liveview auf PC, Laptop)
– Geringes Angebot an Teleobjektiven
– Eingeschränktes Angebot an Fremdherstellern (Sigma, Tamron usw. produzieren ihre Objektive  primär für Nikon und Canon)

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