Canon – Blitzbelichtungsmessung verstehen

Blitzen alle Teile
Teil 1: Canon Blitzbelichtungsmessung
Teil 2: HSS – und alles wird gut…
Teil 3: Lichtformer für Aufsteckblitze
Teil 4: Entfesselt blitzen

Vorbereitend für meinen Blitz-Workshop habe ich mich näher mit der Blitzbelichtungsmessung der Canon Kameras beschäftigt. Zu 99% fotografiere ich selbst im manuellen Modus und wer den Workshop besucht, wird davor auch überhaupt keine Angst mehr haben und verstehen, weshalb ich den Automatikmodus meide.

Für die Blitzbelichtungsmessung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Fotografen im Studio messen, insbesondere wenn mehre Blitze verwendet werden, mit einem Blitzbelichtungsmesser das Blitzlicht.  Kameras mit eingebautem Blitz bzw. Aufsteckblitzgeräte messen durch das Objektiv (TTL) oder/und mit einer Fotozelle am Blitzgerät das Licht. Die typische Blitzbelichtungsmessung mit Aufsteckblitzen funktioniert heute in der Regel als TTL-Messung (Through the lense). TTL Belichtungsmessung gab es schon in Analog-Zeiten. Dabei wird das Licht während der Aufnahme gemessen und ein Signal an das Blitzgerät gesendet, wenn genügend Licht auf die Filmoberfläche gelangt ist.

Da es wohl bei den Sensoren Schwierigkeiten gibt, das reflektierte Licht von der Oberfläche des Sensors zu messen, gibt es für digitale Kameras eine Erweiterung die bei Canon e-TTL genannt wird (evaluative through the lens) und bei Nikon iTTL. Dabei wird unmittelbar vor dem eigentlichen Hauptblitz ein Vorblitz gesendet und das reflektierte Licht gemessen. Anhand dieser Parameter regelt die Kamera die Belichtung bzw. die Blitzleistung.

Alle digitalen EOS Kameras von Canon verwenden die e-TTL Blitzbelichtungsmessung was im Umkehrschluss bedeutet, dass ein e-TTL fähiges Blitzgerät benötigt wird, wenn man die Blitzbelichtungsmessung nützen möchte.

Um die eTTL Belichtungsmessung nützen zu können, benötigt man ein entsprechendes Blitzgerät.
Um die eTTL Belichtungsmessung nützen zu können, benötigt man ein entsprechendes Blitzgerät.

Wie geschrieben wird für die Belichtungsmessung ein Vorblitz gesendet und es werden mehrere Felder des Mehrfeldbelichtungssystems ausgewertet. Zusätzlich ist diese Belichtungsmessung mit dem AF-Feld (Autofokus-Feld) verknüpft. Die Entwickler von Canon gehen dabei davon aus, dass der Punkt, wo der Fokus sitzt, der Punkt ist, der korrekt belichtet sein soll. D.h. ein Verschwenken der Kamera nach dem Fokussieren, mit halb gedrückten Auslöser, kann also zu einer Fehlbelichtung führen.

Wer sich das Verschwenken nach dem fokussieren absolut nicht abgewöhnen kann, sollte prüfen ob seine Kamera ein Blitzbelichtungsspeicher unterstützt. Z.B. wird bei der Canon EOS 5D Mark III mit der Taste M-Fn der Vorblitz ausgelöst und die Blitzbelichtungsmessung gespeichert (FEL = Flash Exposure Lock).

Wer nun meint, dass wäre es gewesen, der hat sich getäuscht 🙂 Jetzt geht es noch etwas mehr in die Tiefe…

Die Leitzahl

Die Reichweite eines Aufsteckblitzgerätes ist bekanntlich begrenzt (ich muss immer lächeln, wenn jemand von der Tribüne etwas in 25 Meter Entfernung mit Blitz fotografiert). Die Reichweite ist dabei von der Leitzahl des Blitzgerätes abhängig. Die Leitzahl beschreibt grob gesagt die Leistung (krawums) des Blitzgerätes. Weiter spielen gewählte Brennweite, ISO, Blende und die Frage, ob der Blitz eine Zoom-Funktion besitzt (um das Blitzlicht zu bündeln) eine Rolle. Wer diesen Artikel auf Wikipedia liest sieht, dass da sehr viel Mathematik drin ist.

Die noch einfache Einstiegsformel zu diesem Thema ist A = L/B (A = Reichweite, L = Leitzahl, B = Blende). D.h. bei einem Blitz mit Leitzahl 40 und Blende 4 ergibt sich eine Reichweite von 10 Meter. Wobei sich die Angabe der Leitzahl i.d.R. auf ISO 100 bezieht. Wer nun meint, mit ISO 200 die doppelte Reichweite zu erzielen, wird schnell enttäuscht. Bei ISO 200 erreicht man den Faktor 1,4 und bei ISO 400 den Faktor 2.

Die Kamera verfügt über verschiedene Programmmodi unter anderem P (Programmautomatik), AV (Zeitautomatik), TV (Blendenautomatik) und M. Interessant ist nun zu wissen, dass die Blitzbelichtungsmessung unterschiedlich arbeitet, abhängig vom gewählten Modus. Nachfolgend unterscheide ich zwischen Vordergrund (z.B. eine Person, die wir fotografieren) und Hintergrund bzw. Umgebung (das Zimmer, in dem sich die Person befindet).

Die Programmautomatik versucht Unschärfe durch Verwackeln durch kürzere Belichtungszeiten zu vermeiden. In der Kombination mit dem Blitzgerät wird hier die längste (maximale) Belichtungszeit von 1/60 Sekunde vorgeben. Die kürzestmögliche Belichtungszeit ist begrenzt durch die Blitzsynchronisationszeit, die durch die Kamera vorgegeben ist (z.B. 1/200 sec.). Wenn nun ein Belichtungswert von weniger als 1/60 sec. und Blende 4 gemessen werden, versteht Canon den Blitz als Hauptlicht und wird das Hauptmotiv (Vordergrund) mit Hilfe des Blitzlichtes entsprechend stark beleuchten. Der Hintergrund wird sehr wahrscheinlich relativ dunkel erscheinen.

In der Programmautomatik wird das Motiv im Vordergrund als Hauptmotiv erkannt.
In der Programmautomatik wird das Motiv im Vordergrund als Hauptmotiv erkannt.

Ist das Licht jedoch heller, so dass ohne Blitz eine kürzere Belichtungszeit als 1/60 bei f4 möglich wäre, versteht die Kamera den Blitz als Aufhellblitz. Denn das Programm weiß, dass der Blitz für eine insgesamt korrekte Belichtung nicht unbedingt notwendig wäre. So können Personen bei Tageslicht mit Hilfe des Blitzlichtes dosiert aufgehellt werden.

Die Programmautomatik in Verbindung mit Aufsteckblitz bietet sich deshalb an, wenn es schnell gehen muss. Man muss sich keine Gedanken über die Blitzsynchronisationszeit machen, nicht über eine zu lange Belichtungszeit (was vielleicht zu Verwackeln führen würde) und nicht über die Blitzleistung nachdenken. Allerdings wird der Wechsel, wie die Kamera nun die Notwendigkeit des Blitzlichtes interpretiert, unbemerkt stattfinden und zu ggf. zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen.

Im AV-Modus (Zeitautomatik) interpretiert die Kamera das Umgebungslicht immer als Hauptlichtquelle und wird den Blitz nur zum Aufhellen einsetzen. Je nach gewählter Blende werden hier also auch Belichtungszeiten gemessen, die länger als 1/60 sec. sind und damit zur Verwacklungsunschärfe des Hintergrundes führen können. Die kürzest mögliche Belichtungszeit ist wieder begrenzt durch die Blitzsynchronisationszeit. Auch wenn eine kürzere Belichtungszeit als z.B. 1/200 sec. notwendig wäre, würde die Kamera diese bei aufgestecktem und eingeschaltetem Blitz nicht verwenden. Das Ergebnis wird ggf. ein überbelichtetes Bild sein. Um dies zu vermeiden, verwenden moderne Kameras und Blitzgeräte die sogenannte High-Speed-Synchronisation (HSS). Diese muss man dann aber am Blitzgerät bzw. über die Blitzsteuerung in der Kamera explizit auswählen bzw. zulassen.

Im TV-Modus (Blendenautomatik) wählt der Fotograf die Belichtungszeit aus und die Kamera wählt die passende Blende. Auch hier agiert der Blitz nicht als Hauptlichtquelle sondern wird nur dosiert zum Aufhellen eingesetzt. Es können Belichtungszeiten von 30 sec. bis zur maximale Blitzsynchronisationszeit (z.B. 1/200 sec.) gewählt werden. Für kürzere Belichtungszeiten müsste man wieder den HSS-Modus am Blitzgerät verwenden.

HSS steht für High-Speed-Synchronisation und wird bei Canon im Display durch ein H angezeigt.
HSS steht für High-Speed-Synchronisation und wird bei Canon im Display durch ein H angezeigt.

 

Im manuellen Modus (M) an der Kamera und E-TTL am Blitzgerät werden Belichtungszeit und Blende frei gewählt. Zusammen mit dem Aufsteckblitz versteht die Kamera den Blitz jetzt als Hauptlichtquelle und wird, nachdem der Vorblitz gesendet wurde, die Blitzleistung so wählen, dass das Bild möglichst komplett richtig beleuchtet ist.

 E-TTL II

Eine Erweiterung von E-TTL II ist die Berücksichtigung der Entfernung aufgrund der Entfernungsmessung des Objektivs. Es wird also nicht nur das reflektierte Licht des Vorblitzes berücksichtigt, sondern auch noch die durch den Autofokus eingestellte Entfernung am Objektiv. Hier ist zu berücksichtigen, dass nicht jedes Objektiv diese Information an die Kamera übermittelt.

Wann man nun welche Einstellung nützt, hängt also von der jeweiligen Situation ab. Es ist aber wichtig zu wissen, warum die Blitzleistung unterschiedlich ausfällt.

In meinem Workshop „Richtig blitzen mit Aufsteckblitz“ werde ich das Thema noch einmal etwas ausführlicher behandeln und an unmittelbaren Beispielen die Unterschiede aufzeigen.

Im zweiten Teil dieser Serie betrachten wir den Begriff HSS.

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