Belle Époque I – Das trunkene Schiff

Gestern realisierte ich die erste Aufnahme zu einem freien Fotoprojekt. Die Serie erzählt fotografisch etwas von der Belle Époque und trägt den Titel „Das trunkene Schiff“ nach dem Gedicht von Arthur Rimbaud.

In diesem Blog-Beitrag möchte ich etwas über die Entstehung der Serie und der Bilder schreiben. Auf meiner Seite thomas-blasche.de werde ich mehr den künstlerischen Teil zeigen. Hier, auf natur-photocamp.de eher die Making-offs beschreiben.

Wie geschrieben, hatte ich mir als Vorlage das Gedicht „Das trunkene Schiff“ von Arthur Rimbaud ausgesucht. Das Gedicht ist in der Zeit der Belle Époque entstanden und vielleicht so trunken geschrieben, wie diese Zeit war. Ich suchte mir einzelne Strophen heraus, die ich fotografisch umsetzen wollte. Insgesamt soll dann eine Serie aus etwa acht Bildern entstehen.

Die Idee zum ersten Bild war ein Bett auf dem Wasser schwimmen zu lassen. Darauf eine Person passend zur Belle Époque gekleidet. Langsam entstand eine Vorstellung davon, was für die Serie benötigt wird. Das Bett (eines schwedischen Möbelhauses) konnte ich günstig gebraucht kaufen. Leider ohne Matratze.

In einem Antiquariat für historische Kleidung fand ich die Original-Bluse aus dieser Zeit. Diese ist über 100 Jahre alt. Leider fand sich kein Rock bzw. keiner, der heute einem Model passen würde. Ich fand dann eine Quelle für historische Schnittmuster. So wurde der Rock nach einem Schnittmuster aus dieser Zeit genäht – auch hier mussten einige Dinge besorgt und mit der Näherin abgestimmt werden.

Ankleiden - irgendwie hatten die vor 100 Jahren andere Konfektionsgrössen...
Ankleiden – irgendwie hatten die vor 100 Jahren andere Konfektionsgrössen…

Immer noch fehlte die Matratze und die zündende Idee, wie das Bild letztendlich realisiert werden sollte. Ich glaube ich habe fünf Anläufe gebraucht, um endlich (10 Tage vor dem geplanten Shooting) eine Matratze über ebay Kleinanzeigen zu finden.

Mehrere Anproben dazwischen mit dem Model. Klar war, dass sie ein Korsett tragen musste, um auf die Taillenmaße dieser Zeit zu kommen.

Inzwischen war die Idee entstanden, das Bett auf dem Teufelstisch zu platzieren. Der Teufelstisch ist ein Felsplateau im Bodensee. Ca. 20 x 15 Meter groß und knapp unter der Wasseroberfläche. Der Pegel des Bodensees sinkt in den Wintermonaten. Manchmal so stark, dass das Plateau fast aus dem Wasser kommt. Doch diesen Winter blieb der Pegel überdurchschnittlich hoch. Etwa 80 Zentimeter wären zuletzt zu überbrücken gewesen. Das wäre vielleicht gerade so möglich gewesen. Auch ein Boot wäre organisiert gewesen, um das Team und Bett an die Stelle zu bringen.

Bett steht
Bett steht – warten…

 

Zuletzt entschied ich mich aber auch wegen der Wettervorhersage um. Ich hatte schon kurze Zeit davor eine Alternative überlegt. Am Strandbad in Konstanz geht es sehr flach ins Wasser. Die Frage war jetzt nur noch, wie das Bett schwimmen lassen….?

Schon bei der Überlegung, die Aufnahme am Teufelstisch zu machen, hatte ich den Gedanken an Bierkisten. So wurden vier Bierkisten geleert 🙂 und es konnte ans Wasser gehen.

Es ist klar, dass man ein solches Projekt nicht alleine machen kann. Da benötigt man einige Helfer. Und das musste auch abgestimmt werden. Ich bin dankbar, doch einige Menschen zu kennen, die mich bei solchen Projekten unterstützen.

Wegen der Wettervorhersage wurde das Shooting dann kurzfristig einen Tag vorgezogen. Am Nachmittag wurde das Auto geladen, das Model gekleidet und geschminkt, Wattstiefel noch organisiert und dann ging es ans Bodenseeufer.

Entfesselt geblitzt
Entfesselt geblitzt

Nachdem das Bett im See aufgebaut war, mussten alle warten. Der Laie versteht es nicht, warum den Fotografen die Sonne stört 🙂 Kurz vor Sonnenuntergang ging es dann los. Beleuchtet wurden mit einem Jinbei FL II-500 und einer großen Softbox. Die Aufnahmen entstanden alle mit einem Tilt-Shift Objektiv. Eine Schwierigkeit war, so die Spiegelung hin zu bekommen, dass die Bierkisten unter Wasser nicht sichtbar werden.

Die Belichtungszeit beim finalen Bild beträgt 1 Sekunde.

Das trunkene Schiff
Das trunkene Schiff

Jedesmal, wenn wieder größere Wellen kamen, beschleunigte der Puls. Das war ein Grund, weshalb ich die Aufnahmen lieber an einen anderen Seeteil gemacht hätte. Aber es reichte gerade so, dass die Wellen unter dem Bett hindurch schwappten. Nach einer knappen Stunde waren die Aufnahmen gemacht.

An dieser Stelle noch einmal Danke an Dina, Angela, Richi, Jörg, Christoph und natürlich an das Model Tessa, das in der Kälte (etwa um 2 Grad Lufttemperatur) super ausgehalten hat.

Hier noch ein Making-off Video:

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